Radverkehr erhält mehr Platz

An den Zählstellen für Radverkehr in Stuttgart werden seit April Rekordwerte verzeichnet. Über 7.000 Radfahrer*innen passierten die König-Karls-Brücke an einem Tag. Das sind fast 2.000 Radfahrende mehr als im gleichen Zeitraum 2019. Der Radverkehr erweist sich in der Corona-Pandemie als gute Alternative zum öffentlichen Nahverkehr. Denn anders als in der Stadtbahn fällt es auf dem Rad meist leichter, den nötigen Abstand einzuhalten. Zudem ist Radfahren gesund, stärkt das Immunsystem, erhellt die Stimmung und erzeugt keine Luftschadstoffe. Für den Radverkehr brauchen wir jetzt schnell mehr Platz.

Normalerweise dauern Planung und Umsetzung von Radstrecken lang. Diese Zeit haben wir jetzt nicht. Wir freuen uns deshalb, dass die Verwaltung unseren Vorschlag zu temporären Radstreifen aufgegriffen hat und so schnell wie möglich an zwei Stellen in der Innenstadt umsetzen will: zum einen auf der Theodor-Heuss-Straße, zum anderen in der Holzgartenstraße. Die jeweils rechten Fahrspuren werden zu Radfahrspuren umgebaut. Die neuen Radstreifen sollen zunächst bis 4. Oktober 2020 gelten. Dabei haben wir auch die Fußgänger*innen im Blick. Der Radverkehr muss vom Fußverkehr getrennt werden. Wir meinen deshalb, dass auch der Schlossgarten durch eine parallele Radpendler-Strecke entlastet werden muss. Und wir schlagen temporäre Radstreifen unter anderem auf dem Cityring und auf der Neuen Weinsteige vor. Wir hoffen, dass die gesetzlichen Vorgaben für vorübergehend eingerichtete Radspuren auch dort schnellstmöglich erfüllt werden können und sind auf der Suche nach weiteren geeigneten Strecken.

Weiterhin arbeitet die Stadt mit Hochdruck am Ausbau von Radstrecken. Mit dem Zielbeschluss, Stuttgart zu einer fahrradfreundlichen Stadt machen, hat die Mehrheit des Gemeinderates bereits 2019 beschlossen, mehr finanzielle Mittel in den Ausbau der Radinfrastruktur zu stecken: pro Einwohner*in und Jahr 20 Euro, später 40 Euro. Im vergangenen Haushalt haben wir GRÜNE gemeinsam mit der FrAKTION, der SPD, den Liberalen und PULS dafür gesorgt, dass die Radverkehrspauschale auf rund 12,4 Mio. Euro jährlich erhöht wird. Mit dem Geld sollen das Hauptradroutennetz bis 2030 fertig gestellt, weitere Radverkehrsanlagen entwickelt, die E-Lastenradförderung fortgesetzt, die Winterräumung von Radwegen ermöglicht oder RegioRad-Stationen ausgebaut werden. Zudem haben wir erreicht, dass ein Etat in Höhe von 20 Mio. Euro aus den Klimaschutz-Rücklagen ausschließlich für plan- und außerplanmäßige Investitionen in die Fahrradförderung fließen.

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