Belastung durch Straßenlärm

In der letzten Sitzung des Ausschusses für Klima und Umwelt wurde die erneute Lärmkartierung vorgestellt. Trotz mancher Fortschritte leiden nach wie vor viele Menschen in Stuttgart unter Lärm, der überwiegend durch den Straßenverkehr verursacht wird. Um die Belastungen durch Lärm für Umwelt und Gesundheit zu reduzieren, machen wir uns seit Langem für Tempo 30 nachts stark.
Die aktuelle Lärmkartierung der Stadt zeigt deutlich, wie viele Menschen vor allem durch Straßenverkehr betroffen sind. Vor allem nachts ist die Belastung durch Lärm groß und gesundheitsschädlich.
Seit Jahren fordern wir Tempo 30 nachts auf genau den am stärksten belasteten Straßen, die auch in der aktuellen Lärmkartierung benannt werden. Auch wenn in Hedelfingen, Zuffenhausen und Möhringen die Temporreduktion nachts endlich bald kommt, kommt die Stadt hier viel zu langsam voran.
Deshalb haben wir im Doppelhaushalt 2024/2025 weitere 150.000 Euro beantragt und beschlossen, damit nach den Bezirken Feuerbach, Untertürkheim, Obertürkheim und Vaihingen, für die nun ebenfalls Untersuchungen in Auftrag gegeben wurden, die weiteren stark belasteten Bezirke auch angegangen werden können.
Björn Peterhoff, Fraktionsvorsitzender
Wo ist die Lärmbelastung besonders groß?
Eine dauerhafte Lärmbelastung über lange Zeiträume hinweg kann bei den Betroffenen ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen.
Die vorgelegten Zahlen belegen, dass siebenmal mehr Stuttgarter*innen durch Straßenlärm als durch Lärm an Schienen belastet sind. Die am höchsten belasteten Stadtbezirke sind die Innenstadtbezirke, Bad Cannstatt, Feuerbach und Zuffenhausen. Hoch belastete Straßen finden sich jedoch in allen Stadtbezirken.
Die am stärksten belasteten Straßen sind die Hauptstätter Straße, der Straßenzug Charlottenstraße‐Hohenheimer Straße‐Neue Weinsteige‐Obere Weinsteige, die Heilbronner Straße sowie Abschnitte der Schmidener Straße.
Nachts besonders hohe Belastungen
Besonders besorgniserregend sind die Belastungen durch Straßenverkehr in den Nachtstunden, die nachweislich erhebliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. 76.000 Menschen – das entspricht 12 Prozent der Stuttgarter Bevölkerung – wohnen in Gebieten, in denen der Mittelungspegel nachts bei über 55 Dezibel (A) liegt. Bei diesen Mittelungspegeln erhöht sich das Risiko für lärmbedingte Erkrankungen deutlich, zum Beispiel im Herz-Kreislauf-Bereich.
Vom Schienenlärm sind zwar deutlich weniger Menschen betroffen, aber bei der Ausweitung der Betriebszeiten dürfen wir das Thema Lärm nicht vergessen.
Mittel für Tempo 30 nachts beschlossen
Tempo 30 in den Nachtstunden, wie bereits 2018 beschlossen, würde die Belastung deutlich reduzieren – und das mit einer relativ einfachen Maßnahme. Messungen und Pläne für Möhringen, Zuffenhausen und Hedelfingen sind bereits vorhanden. Gut, dass hier nun endlich bald die Umsetzung der Temporeduktion nachts im Sinne der Gesundheit der Anwohner*innen kommt. Weitere Untersuchungen für Feuerbach, Obertürkheim, Untertürkheim und Vaihingen sind bereits beauftragt. Für Tempo 30 nachts an weiteren lärmbelasteten Straße haben wir darüber hinaus im Haushalt 2024/2025 Planungsmittel in Höhe von 150.000 Euro beschlossen. Somit sind die Grundlagen für die dringend benötigte Umsetzung geschaffen.
Hintergrund
Die Kommunen sind verpflichtet, alle fünf Jahre die Belastung durch Umgebungslärm zu erfassen. Die erste Lärmkartierung für Stuttgart wurde 2007 durchgeführt, die vorliegende Lärmkartierung 2022 ist nunmehr die vierte. Es wurden Lärmkarten für den Straßenverkehr, für die Stadtbahnlinien und für Industrie- und Gewerbeanlagen wie den Hafen erstellt. Die Ergebnisse sind ernüchternd.
Anders als bei der Luftreinhaltung sind die Fortschritte bei der Reduzierung der Lärmbelastung in den letzten Jahren nur gering. In der Innenstadt gab es positive Effekte durch die Temporeduktion auf 40 km/h und die Reduzierung des Verkehrsaufkommens. Maßnahmen, die eigentlich zur Reinhaltung der Luft umgesetzt wurden, wirken sich hier positiv auf die Lärmminderung aus.
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