Der historische Littmannbau in der Innenstadt. Foto: Redaktion
Mit Blick auf die aktuelle Debatte um die Opernsanierung und das Interim stellen wir klar: Wir stehen weiterhin hinter dem Projekt. Ohne eine grundlegende Sanierung drohen dem Opernhaus langfristig der bauliche Verfall und erhebliche Einschränkungen des Spielbetriebs. Angesichts der angespannten Finanzlage von Land und Stadt gilt jedoch: Die Kosten müssen deutlich reduziert werden.
Foto: Leif Piechowski
„Wir können uns die überdimensionierte Planung der Ausweichspielstätte nicht mehr leisten. Die jetzt vorliegende, deutlich abgespeckte Planung passt besser in die Zeit.“
„Die Signale aus dem Ausschuss am 29.07. stimmen uns zuversichtlich, die dringend notwendige Sanierung des historischen Littmannbaus endlich angehen und ihn für Oper und Ballett zukunftsfest aufstellen zu können. So sichern wir ein bedeutendes Kulturerbe und Wahrzeichen unserer Stadt.“
Petra Rühle, Fraktionsvorsitzende
„Der Umfang der Generalsanierung des Opernhauses muss allerdings noch einmal auf den Prüfstand. Alle Möglichkeiten zur Kostensenkung müssen genutzt werden. Stadt und Land sollten sich auch klar zu Einsparungen bei der Sanierung des Littmannbaus bekennen.“
Aktueller Stand Das Interim der Württembergischen Staatstheater soll auf dem Areal C1 bei den Wagenhallen in Stuttgart-Nord entstehen. Es ist die Voraussetzung für die Sanierung des Opernhauses.
Nun wurde der Vorprojektbeschluss für das Oper-Interim jedoch auf September dieses Jahres vertagt. Ursprünglich sollte er Ende Juli im Gemeinderat gefasst werden. Wir kritisieren die Verzögerung, weil jedes Jahr Verzögerung zusätzlich kostet: Beim Interim entstehen rund 8 Millionen Euro Mehrkosten; bei der Oper rund 50 Millionen Euro.
Zudem sind Subkulturprojekte – das Off-Kultur-Projekt contain’t und der Skatepark NORDIY – auf Ersatzflächen umgezogen, für die wir uns eingesetzt haben.
So wird gespart Bereits mit dem Doppelhaushalt 2026/2027 wurde eine Reduzierung der Projektkosten beschlossen. In den vergangenen Monaten wurde das Interimskonzept deshalb grundlegend überarbeitet.
Raumprogramm um rund 40 Prozent reduziert – zum Beispiel durch Entfall oberer Zuschauerrang und zweites Untergeschoss sowie Reduktion der Lagerflächen
Gebäudestruktur deutlich vereinfacht
mehr dauerhafte Nachnutzung der Gebäude
nur noch zwei statt drei Baufelder
Wohnungen nur noch ausschließlich auf drittem Baufeld
Wir unterstützen dieses reduzierte Interimskonzept. Mit der Überarbeitung werden die angestrebten Einsparungen erreicht. Die Gesamtkosten sinken von rund 374 auf voraussichtlich 289 Millionen Euro. Damit entfallen auf Stadt und Land jeweils rund 145 Millionen Euro.
Warum keine andere Lösung? Eine Sanierung des Littmannbaus im laufenden Betrieb ist technisch und sicherheitsbedingt nicht möglich. Das denkmalgeschützte Opernhaus ist dringend sanierungsbedürftig: Die Gebäudetechnik ist vollständig veraltet, die Bausubstanz weist bereits erhebliche Schäden auf.
Auch ein Neubau ist keine überzeugende Alternative. Er wäre deutlich teurer, würde wesentlich länger dauern und dauerhaft jährlich höhere Betriebskosten in Millionenhöhe verursachen. Hinzu kommt, dass kein geeigneter Standort zur Verfügung steht. Interim und Sanierung am bestehenden Standort sind deshalb aktuell die wirtschaftlichste Lösung.
Kulturelles Highlight
Gleichzeitig ist die Oper ein kultureller Anziehungspunkt weit über Stuttgart hinaus. Das Stuttgarter Ballett zählt zu den weltweit führenden Ensembles und erreicht eine Auslastung von nahezu 100 Prozent. Formate wie die Littmann Sessions, „Oper meets HipHop“ oder Produktionen wie „Station Paradiso“ zeigen zudem, wie sich das Haus neuen Zielgruppen öffnet.
Auch die aktuellen Besucherzahlen belegen den Erfolg der Staatstheater Stuttgart: In der Saison 2025/2026 haben alle drei Sparten – Oper, Schauspiel und Ballett – neue Besucher*innenrekorde erzielt.
Argumente auf einen Blick
Die Sanierung ist unumgänglich: Das denkmalgeschützte Opernhaus wurde seit seiner Eröffnung im Jahr 1912 nie grundlegend saniert. Gebäudetechnik, Tragwerk und Bausubstanz sind stark veraltet. Bereits heute gibt es Risse, Absackungen und Wassereintritte. Auch die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind teilweise unhaltbar.
Ohne Sanierung ist der Spielbetrieb langfristig gefährdet: Der Betrieb kann auf Dauer nicht aufrechterhalten werden. Es drohen Vorstellungsausfälle bis hin zu einer dauerhaften Schließung – mit gravierenden Folgen für rund 1.400 Beschäftigte und die Kulturszene.
Alle Alternativen wurden über Jahrzehnte geprüft und verworfen: Neubau, andere Standorte oder eine Sanierung im laufenden Betrieb wurden umfassend untersucht und aus guten Gründen verworfen – wegen höherer Kosten, längerer Bauzeiten, fehlender Standorte sowie technischer und sicherheitsrelevanter Risiken.
Interim und Sanierung sind die wirtschaftlichste Lösung: Das Interim auf C1 mit anschließender Sanierung des Littmannbaus ist die schnellste, sicherste und wirtschaftlichste Variante. Andere Interimslösungen würden das Projekt um Jahre verzögern und erheblich verteuern.
Eine Trennung der Sparten wäre unwirtschaftlich: Oper, Ballett und weitere Bereiche profitieren von gemeinsamen Werkstätten, Proberäumen, Verwaltung, Maske und Technik. Eine Trennung würde viele dieser Einrichtungen doppelt oder sogar dreifach erforderlich machen und bestehende Synergien zerstören.
Der Littmannbau muss erhalten werden: Das Opernhaus zählt zu den wenigen historischen Großbauten Stuttgarts und ist ein identitätsstiftendes Wahrzeichen. Eine wirtschaftlich tragfähige Nachnutzung ist nicht erkennbar. Ohne Sanierung droht langfristig der Verfall des Gebäudes.
Sanierung ist nachhaltiger als Neubau: Wo immer möglich: Erhalt und Sanierung gehen vor Neubau. Dieser Grundsatz nachhaltigen Bauens muss auch für das Opernhaus gelten.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Oper zukunftsfest sanieren, den historischen Littmannbau erhalten und gleichzeitig alle Optionen zur Kostenoptimierung nutzen . So werden Kultur, Denkmalschutz und finanzielle Verantwortung miteinander verbunden.
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