Stadtreparatur am Feuerbacher Bahnhof

Minister Untersteller und Bürgermeister Pätzold geben den Startschuss für die Altlastensanierung.

Minister Untersteller und Bürgermeister Pätzold geben den Startschuss für die Altlastensanierung. ( Foto: Redaktion)

Das Nachhaltige Bauflächenmanagement

Hier am Wiener Platz haben einst die Gebrüder Schoch ihren Galvanisierungs- und Hartverchromungsbetrieb geführt. Rund 80 Jahre lang wurden in den Hallen gesundheitsschädigende Stoffe in Chrombädern eingesetzt, viele dieser Stoffe versickerten in Boden und Grundwasser. Schon in den 70-er Jahren konnten städtische Messungen erhebliche Mengen an Chromaten im Grundwasser nachweisen. Als das Unternehmen 2004 Insolvenz anmeldete, war das Gelände hochgradig mit Chromaten und Chlorwasserstoffen verseucht. Die Stadt Stuttgart hat ihr Vorkaufsrecht ausgeübt und das Gelände saniert.

Vorkaufsrecht ausgeübt

2011 übte die Stadt Stuttgart das Vorkaufsrecht aus und erwarb die als Riegel zwischen der Ortsmitte und dem S-Bahnhof Feuerbach liegende 2,8 ha große Industriebrache. Die vorausgegangenen Kaufverhandlungen verliefen fast wie im Krimi, da zunächst ein privater Investor, der die Schwere der Chromat-Verseuchung negierte, sich das Gelände geschnappt hatte.

Bodensanierung

Bevor überhaupt über eine Bebauung des Geländes nachgedacht werden konnte, wurden die kontaminierten Gebäude abgerissen und musste das komplette Grundstück, das bis in 12 Meter Tiefe mit Chromat und Lösungsmitteln verunreinigt war, aufwendig saniert werden. Im Oktober 2015 wurde mit dem im Auftrag des Tiefbauamts der Stadt durchgeführten qualifizierten Flächenrecycling begonnen. Auf einer Fläche von knapp 1,4 ha mussten knapp 150.000 Tonnen verseuchter Boden saniert werden. Die kontaminierten Böden wurden teils im klassischen Aushubverfahren, teils über spezielle Großbohrungen entnommen. Sie waren vollkommen wertlos und mussten entsorgt, teilweise sogar in Salzbergwerken eingelagert werden. Das Grundwasser wurden abgepumpt, über mehrere Reinigungsstufen hinweg aufwendig gereinigt und anschließend wieder in das Kanalnetz eingebracht.

Kosten

Im Herbst 2018 wurden die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen. Die Kosten der Altlastensanierung beliefen sich auf 19,5 Mio. Euro. 75 Prozent dieser Kosten wurden vom Altlastenfonds Baden-Württemberg getragen. Angesichts der heutigen Bodenpreise überschaubare Kosten – ganz besonders, wenn man berücksichtigt, welche enorme Aufwertung für den gesamten Stadtbezirk Feuerbach dadurch möglich wird!

Am Beispiel des Schoch-Areals zeigen sich die besonderen Stärken des Grundsatzes „Innen vor Außen“: Innenentwicklung in hoher Qualität vereint hohe städtebauliche Dichten mit einer hohen Qualität des öffentlichen Raums, berücksichtigt ökologische Aspekte, beseitigt Altlasten, schützt das Grundwasser und stellt die soziale Mischung im Quartier sicher.