Private Investoren in die Verantwortung nehmen

Stadtentwicklung nach dem Prinzip "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" am Feuerbacher Bahnhof

Stadtentwicklung nach dem Prinzip „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ am Feuerbacher Bahnhof. (Foto: Redaktion)

Das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM)

Seit gut zwei Dekaden folgt die Stadt der Prämisse „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, um die besonderen Qualitäten Stuttgarts als Stadt im Grünen zu bewahren. Weil es im Innenbereich keine allgemeingültigen Methoden gab, Investoren – wie bei Neubauflächen im Umlageverfahren – an der Finanzierung kommunaler, insbesondere wohnungspolitischer Ziele zu beteiligen, haben vor allem wir GRÜNEN uns für die Einführung des „Stuttgarter Innenentwicklungsmodells (SIM)“ eingesetzt.

Private Investoren in die Verantwortung nehmen

SIM wurde im Jahr 2011 eingeführt. Wenn auf privatem Grund Wohnungen gebaut werden sollen und dafür bei Bauvorhaben der Innenentwicklung, also z.B. bei Industriebrachen, ein neues Planrecht geschaffen wird, das beispielsweise den Bau von (mehr) Wohnungen ermöglicht, steigt der Wert des Grundstücks.  Grundgedanke ist, dass diese Wertsteigerung nicht ausschließlich dem Investor als Planungsbegünstigtem zugute kommt, sondern dass dieser einen Beitrag von 30 Prozent gefördertem Wohnraum leistet und sich an der Gemeinbedarfs-Infrastruktur, z. B. einer Kita,  sowie Grün- und Ausgleichsflächen beteiligt.

Es ist uns wichtig, dass die Bereitstellung von günstigem Wohnraum nicht alleine der Städtischen Wohnungsgesellschaft aufgebürdet, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen wird, für die auch private Investoren in die Verantwortung genommen werden.

Geförderter Wohnungsbau am Wiener Platz

Auf ihren eigenen Grundstücken geht die Stadt aber wesentlich weiter, um bezahlbares Wohnen möglich zu machen: 80 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert. Wiederum 60 Prozent dieser geförderten Wohnungen sind Sozialwohnungen. Um eine vielfältige Durchmischung zu erreichen, wird nur die Hälfte dieser Wohnungen an Personen vergeben, die in der Liste des Wohnungsamtes vorgemerkt sind, weil sie auf dem teuren freien Wohnungsmarkt keine Wohnung finden. Die andere Hälfte der Wohnungen kann frei vermietet werden. Dafür stellt der Bauträger in einer mittelbaren Belegung aber ebenso viele freie Wohnungen aus seinem Bestand als Sozialwohnungen bereit. Auf diese herausfordernde Regelung haben sich Wohnbaugesellschaften und Genossenschaften deswegen eingelassen, weil sie dafür erstmals Bauflächen von der Stadt erhalten und zeigen können, wie sie moderne Stadtentwicklung voranbringen.

Geförderte Wohnungen am Wiener Platz

Das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell kommt bei der Bebauung des Quartiers am Wiener Platz zum Tragen: Zwei Bauträger bauen am Wiener Platz insgesamt rund 165 Wohnungen. 60 Prozent davon als Sozialwohnungen nach dem Landeswohnraumförderprogramm und 20 Prozent als Mietwohnungen für Mittlere Einkommensbezieher (MME) und PWE Preiswertes Wohneigentum im städtischen Förderprogramm. Somit also 80 Prozent geförderte Wohnungen. 20 Prozent der Wohnungen werden frei finanziert.