Klimafreundlich essen

Bei der Erzeugung eines Kilos Rindfleisch entstehen mehr als 13 kg CO2-äquivalente Treibhausgase – bei einem Kilo Gemüse hingegen nur 153 Gramm. Dieser Vergleich des Bundesumweltministeriums macht sofort klar, wie wir durch unsere Ernährung Klima schützen können: Mit saisonalen und regionalen Lebensmitteln in Bio-Qualität und nur selten Fleisch. Wenn wir alle dreimal in der Woche klimafreundlich essen, hätte Deutschland 10 Mio. Tonnen CO2-Emissionen weniger – so viel wie 500 Mio. Bäume pro Jahr aufnehmen können.

Den Stuttgarter Kantinen und Schulküchen haben wir über das Aktionspaket Klimaschutz aufgegeben, mindestens 20 Prozent CO2 bei den Speisen einzusparen. Lebensmittel, die mit dem Flugzeug zu uns kommen, werden es da künftig etwas schwerer haben. Aber Aufgabe der Politik, auch unserer Stadtpolitik, ist es ja auch, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die die zukunftsfähige Erzeugung von Lebensmitteln vor Ort ermöglichen. Es muss im Interesse der Stadt liegen, gesunde Lebensmittel mit geringer Klimalast in der Region zu erzeugen – das hilft auch unseren Landwirten!
Zehntausende von Landwirten haben diese Woche gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert. Mit Recht, wie wir finden, denn Berlin favorisiert eindeutig die industrielle Landwirtschaft und fördert das Höfesterben. Aber gerade die industrielle Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung befördert den Klimawandel, schädigt die Umwelt und führt zum Verlust an Biodiversität. Wir brauchen hier einen Kurswechsel – was auch viele Verbraucher*innen sehen, die Wert auf ökologische, saisonale und regionale Lebensmittel Wert legen.
Wir haben uns weiter dafür eingesetzt, dass alle zwei Jahre ein Preis ausgeschrieben wird für die Kantine oder Großküche, die die weitestgehende Reduktion der Klimalast pro Hauptmahlzeit erreicht. Und dass von Caterern, deren Dienste die Stadt in Anspruch nimmt, künftig eine CO2-Kennzeichnung und Reduktionsnachweise gefordert werden.
Eine gute Chance, regionale Strukturen zu stärken, bietet die Essensversorgung in Kitas und Schulen, in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Hier kann die Stadt ihre Marktmacht ausspielen und regionale, klimaschonende Produzenten stärken. Wir wollen vielfältige, regionale und saisonale Gerichte in Bio-Qualität, die das Klima schonen und dennoch lecker schmecken – auch vegetarische und vegane. Und natürlich hat es seinen Mehrwert, wenn Kinder schon früh erfahren, wie ihr Essen mit den Pflanzen auf dem Acker zusammenhängt.
Wir haben das Interesse, dass die Stadt in ihren Großküchen noch mehr Bioprodukte und regionale und saisonale Lebensmittel anbietet und sind dafür eingetreten, dass deren Anteil in Schulen und Kitas in den nächsten vier Jahren von 25 auf 50 Prozent verdoppelt wird. Hier konnten wir uns jedoch nicht durchsetzen und haben lediglich eine klimafreundlichere Ausrichtung bis zum Jahr 2021 erreicht. Hier haben wir also noch zu tun. Wir bleiben dran!