Innenentwicklung vor Außenentwicklung

Erdbiene

(Foto: Foto: Walter Eberl / pixelio.de)

Fruchtbare Böden stellen unsere Lebensgrundlage dar

Wir leben in einer einzigartigen und schönen Stadt – Stuttgarts Topografie und der hohe Anteil an Wald und Wiesen ist ein besonderer Schatz. Deswegen wollen wir die Naherholungsflächen nicht weiter als Baulandreserve betrachten noch landwirtschaftliche Flächen bester Bonität versiegeln, sondern wir wollen die Freiflächen erhalten und Wohnungen im Innenbereich schaffen – das Potential dafür ist vorhanden, das zeigt das Quartier am Wiener Platz!

Fruchtbare Böden

Knapp 4.000 Jahre dauert es, bis sich eine zwanzig Zentimeter dicke landwirtschaftlich nutzbare Bodenkrume gebildet hat. Diese fruchtbaren Böden bilden wertvolle Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen und tragen so wesentlich zum Erhalt der Biodiversität bei. Und sie schaffen die Lebensgrundlage für die – wegen des enormen Verlusts an landwirtschaftlichen Flächen in Stuttgart in den letzten Jahrzehnten – wenigen verbliebenen landwirtschaftlichen Betriebe in Stuttgart, auf der sie die qualitativ hochwertigen, frischen und regionalen Lebensmittel erzeugen, die wir alle schätzen.

In Stuttgart und Umgebung haben wir mit die lebendigsten und fruchtbarsten Böden in Deutschland, die gerade in Zeiten extremer Wetterverhältnisse wie langanhaltender Trockenheit und Hitze nicht hoch genug geschätzt werden können, weil sie doch noch relativ gute und zuverlässige Erträge ermöglichen. Ihre Versiegelung stellt Landwirte vor existentielle Probleme und bringt schädliche städtebauliche, ökonomische und soziale Auswirkungen mit sich.

Versiegelung stoppen

Auch die Bundesregierung hat sich im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel gesetzt, bis 2020 die Neuversiegelung auf 30 Hektar am Tag zu verringern. Aber schon allein in Baden-Württemberg werden ca. 7,9 Hektar am Tag (2017) versiegelt – und zwar besonders dort, wo günstige Standortbedingungen für die Landwirtschaft herrschen – wie beispielsweise auf den Fildern.

Kommunale Infrastruktur optimieren

Zudem hat die Innenentwicklung deutliche Vorteile hinsichtlich der kommunalen Infrastruktur und den Realisierungszeiten. Die Hoffnung, durch Wohnungsbau auf der grünen Wiese schnell Abhilfe für die Wohnungsknappheit zu schaffen, führt in die Irre: Die gesetzlich erforderlichen Planungsschritte bis zur Baureife summieren sich leicht auf mehrere Jahre.

Werden Gebiete wie das „Schoch-Areal“ recycelt, ist der Großteil der städtischen Infrastruktur für die künftigen Bewohner*innen schon vorhanden. Die ÖPNV-Angebote sind bestens, alle Schularten in der Nähe, ebenso wie Einzelhandel und Gastronomie, es müssen keine neuen Straßen gebaut, keine langen Kanäle gegraben und Leitungen verlegt werden – im Gegenteil, die bestehende städtische Infrastruktur wird besser ausgenutzt.

Deswegen lehnen wir Wohnungsbau auf Grünflächen ab und setzen uns seit vielen Jahren für Flächenrecycling im Innenbereich ein und haben das Nachhaltige Bauflächenmanagement (NBS) in der Stadt durchgesetzt.