Dr. Christine Lehmann

Persönliches

Genf ist zwar meine Geburtsstadt, aber ich bin in Stuttgart aufgewachsen: In Vaihingen bin ich zur Schule gegangen, studiert habe ich Germanistik und Kunstgeschichte an der Stuttgarter Universität mitten in der Stadt. Gewohnt habe ich in Vaihingen, in Sonnenberg, am Vogelsang und in Münster, bis ich schließlich mit meinem Mann im Süden gelandet bin. 1989, in dem Jahr, als die Berliner Mauer fiel, habe ich beim damaligen SDR, heute SWR, angefangen in der Nachrichtenredaktion zu arbeiten. Schon bald habe ich dann meinen ersten Krimi veröffentlicht. Mittlerweile sind es ein Dutzend. Hinzu kamen Unterhaltungsromane und Jugendbücher.
Von meinem Küchenfenster kann ich über die ganze Stadt blicken bis zum Kraftwerk am Neckar, auf dem ich so oft es geht zusammen mit anderen in einem Ruderboot des Stuttgart-Cannstatter Ruderclubs meine Bahnen ziehe. 2006 habe ich ein Pedelec testgefahren und wusste, das ist die Lösung, um den Berg hochzukommen. Als Stadtbahn- und später Autofahrerin kannte ich die Stadt, als Radfahrerin habe ich sei neu und vor allem viel besser kennengelernt. Seitdem ist das Pedelec für mich mein „Stadtauto“, und die Stadt und ihre schönen Plätze, Winkel und Ecken wachsen mir immer mehr ans Herz. Man kann zwar in Stuttgart viel besser Rad fahren als viele denken, aber ein paar Schwierigkeiten gibt es da schon. Deshalb habe ich 2013 mit einem Blog übers „Radfahren in Stuttgart“ begonnen. Der ist inzwischen eine Art online-Zeitung für Radfahrer/innen in Stuttgart geworden.


Politisches

Die Grünen waren von Anfang an meine politische Heimat, weil sie in der Energiepolitik und beim Naturschutz die großen Fragen meiner Jugend beantwortet haben. Ich habe zwar viele Wahlkämpfe mitgemacht, doch bis vor ein paar Jahren habe ich es mir im Traum nicht vorstellen können, dass ich selbst ein politisches Amt haben würde. Schuld daran ist mein Fahrradblog „Radfahren in Stuttgart“. Er hat mich in den Bezirksbeirat Süd geführt und von dort auf die Liste der Grünen für den Gemeinderat. Ich bin bei der Kommunalwahl 2014 knapp nicht reingekommen und 2015 für Peter Petzold nachgerückt, der Baubürgermeister geworden ist.


Aktuelles

Als Schriftstellerin bin ich Beobachterin. Ich sehe, dass immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind. Viele auch sportliche Radfahrer:innen legen sich ein Pedelec zu. Schön, dass so viele sich bewegen wollen. Weniger schön finde ich, dass viele Radler:innen Gehwege benutzen, weil sie vor dem Autoverkehr Angst haben. Darüber ärgern sich die Fußgänger:innen zu Recht. Ich beobachte aber auch, dass es für Radfahrer:innen oft schwierig ist, einen Weg durch den Verkehr zu finden, auf dem sie sich sicher fühlen und auch sicher sind. Hier können wir noch viel tun. Das nützt auch dem Autoverkehr, mehr als es auf den ersten Blick scheint. Denn jeder Mensch auf dem Fahrrad ist einer weniger, der im Auto im Stau steht oder die Stadtbahnen füllt. Viele Radfahrer entlasten die Innenstadt vom Autoverkehr und räumen denen mehr Platz ein, die aufs Auto angewiesen sind. Wer Rad fährt, stärkt zudem die eigene Gesundheit. Eine Stadt mit gesünderen Bürgerinnen und Bürgern spart Geld. Zudem kostet der Ausbau von guten Radstrecken vergleichsweise wenig. Eine Versöhnung der drei Verkehrsarten, Auto, Fahrrad und zu Fuß Gehen ist mein Hauptanliegen.
Die Frage, wie wir in die Innenstadt kommen, dürfte in den nächsten Jahren entscheidend für den innerstädtischen Handel sein. Wo zu viele Autos sind, bleiben die Menschen weg. Umsatz in Lokalen und Läden wird zu 93 Prozent von Menschen generiert, die nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn oder dem Fahrrad kommen. Deshalb brauchen wir in Stuttgart eine autofreie Innenstadt, in der sich noch mehr Menschen gerne aufhalten.