Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Besichtigung des Taubenturms auf der Rathausgarage

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Zwei kleine, blanke, weiße Eier liegen in einem runden Vogelnest – die Taubeneltern sind ausgeflogen und auch sonst geht es in diesem Taubenschlag gar nicht zu wie im Taubenschlag. Die Stadträtinnen und Stadträte der Grünen Gemeinderatsfraktion stehen um ein Vogelnest herum. „Woran erkennt man, ob es sich um echte oder künstliche Eier handelt?“ fragt Stadträtin Andrea Münch. „Sehen Sie hier: da ist so eine kleine Sollbruchstelle. Diese Eier sind aus Plastik“, erklärt Silvie Brucklacher vom Tierschutzverein Stuttgart im Taubenturm auf dem Dach der Stuttgarter Rathausgarage. Die Eier aus Plastik sind für die Geburtenkontrolle gedacht. Auf diese Weise versuchen die Tierschützer, die Taubenpopulation in Stuttgart auf tierfreundliche Art in den Griff zu bekommen – denn die Tauben vermehren sich rasant. Diese Geburtenexplosion sei hausgemacht, so Brucklacher. In der Vergangenheit seien Tauben vom Menschen daraufhin gezüchtet worden, viermal im Jahr Eier zu legen und auszubrüten. Heute werden die Vögel als Plage, die das Stadtbild belasten, wahrgenommen. Die meisten Kommunen haben sich darauf verlegt, die Tauben mit verschiedenen Vergrämungsapparaturen in Schach zu halten. Das Problem der übermäßigen Taubenpopulation ist damit jedoch nicht aus der Welt, und das Ergebnis sind oft verletze Vögel. Damit sich die Tauben in Stuttgart nicht so schnell fortpflanzen, verfolgt der Stuttgarter Tierschutzverein eine andere Taktik: Die Taubeneier aus dem Taubenschlag werden von Ehrenamtlichen gegen Plastikeier ausgetauscht. Dabei wird keine einzige Taube verletzt und die Tiere werden in ihrem normalen Lebensrhythmus nicht gestört. Die echten Eier nehmen die Tierschützer mit in ihre Gärten und legen sie dort in die Wiese, wo sie von Füchsen geholt und gefressen werden.
Es geht nach oben, die Treppen zum obersten Parkdeck hinauf. Eine steile Ausklappleiter führt die grünen Stadträtinnen und Stadträte noch weiter nach oben. Vorsichtig klettern alle die Leiter bis aufs Dach der Rathausgarage. Oben angekommen, erblicken die Stadträtinnen und Stadträte eine kleine Oase. Das Flachdach ist begrünt, Blumen wiegen sich im Sommerwind. Ein beschauliches Holzhäuschen mit zwei Luken steht dort, eine kleine Treppe führt hinein. Im Inneren sind die Nester der Tauben ordentlich auf Regalwänden aufgereiht.
Der Kleine Taubenturm ist einer von fünf Taubeneinrichtungen in Stuttgart, einer der kleineren. Ein anderer befindet sich im Dach der Leonhardskirche, dort ist mehr Taubenverkehr und auch mehr Schmutz, erzählt Silvie Brucklacher und räumt in diesem Zusammenhang mit einem Vorurteil gegenüber die Vögeln auf: „Die Menschen lehnen Tauben ab, weil sie den Ruf haben, schmutzig zu sein und Krankheiten zu übertragen. Aber das stimmt nicht. Untersuchungen haben ergeben, dass sie genauso wenig oder viele Krankheiten übertragen wie Menschen. Und wenn man sich mit ihnen beschäftigt, sind Tauben wunderbare und interessante Tiere.“
Doch nicht jeder hat ein solches Interesse an diesen Vögeln, wie die Mitglieder des Tierschutzvereins Stuttgart. Ein Grund, warum das Taubenprojekt vor massiven Problemen steht. Ein anderer: Der Taubenturm am Bahnhof wird Stuttgart 21 weichen, ein Ersatz ist nicht in Sicht. „Wir könnten viel mehr Türme einrichten, aber es fehlt an Standorten.“

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