Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Grüne Fraktion vor Ort: Zuffenhausen

Die grüne Fraktion setzt ihre Tour vor Ort fort. Diesmal ging es mit dem Rad in das verkehrsgeplagte Zuffenhausen. Begleitet wurde die Fraktion von Stephan Oehler, Leiter der Verkehrsplanung Stuttgart, Christina Kolb vom Bürgerverein Zuffenhausen und weiteren Bürgerinitiativen. Neben dem Zusammenfluss der B10 und der B27 leben 37.000 Menschen im drittgrößten Stadtteil Stuttgarts. Täglich wälzen sich 60.000 PkW und 1.000 LkW an den Wohngebieten entlang. Durch den von CDU, SPD, FDP und Freien Wählern verabschiedeten Rosensteintunnel werden mindesten weitere 20.000 Fahrzeuge pro Tag erwartet. Zur Förderung des „Wirtschaftsstandorts Stuttgart“ ist damit die Stadtautobahn durchgängig befahrbar und Zuffenhausen an der absoluten verkehrlichen Belastungsgrenze.

Kiefer Areal

Stadträtin Silvia Fischer und Stephan Oehler, Leiter der Verkehrsplanung Stuttgart.

Startpunkt war das Kiefer-Areals. Hier soll in Zukunft ein Heimwerkermarkt entstehen. Ungeklärt bleibt jedoch die Verkehrsführung, bis zu 6.000 Kundenfahrzeuge pro Tag erwartet der Investor. Nach aktuellen Planungen würde der LkW-Anlieferverkehr auf der Ludwigsburger Straße direkt in ein Wohngebiet führen. Die Grünen fordern jedoch, dass die Bewohner mit keinem Auto mehr belastet werden dürfen. Im Zuge der Erschließung sollte außerdem dringend der im Moment illegal über Firmengelände und an der Trafo-Station führende Radverkehr in die Stuttgarter Innenstadt aufgewertet werden. Es wird Zeit für ein vernünftiges Radwege-Konzept.

Weiter ging es Richtung Friedrichswahlauffahrt. Dieses heute sinnlose „Ohr“ versperrt die Zuffenhausener Frischluftschneise. Ein Abriss dieses Baumonstrums ist seit Jahren in der Diskussion. In der Planung der Stadt wird die Stadtbahn unter die Erde gelegt und die Heilbronner Straße direkt angebunden. Warum soll aber der ÖPNV mal wieder dem Autoverkehr weichen? In der jetzigen Situation bestimmen Lärm und Feinstaub das Leben in dem darunter liegenden Wohngebiet. Hier leben Menschen in Betreuung der „eva – Evangelischen Gesellschaft“, aber auch Familien. Mitarbeiter von „eva“ kritisierten die mangelnde Infrastruktur in dem Wohngebiet. Weder Bäcker noch Gaststätte stehen als soziale Treffpunkte zur Verfügung, eine Vermischung mit den benachbarten Wohngebieten findet nicht statt. Eine zentrale Unterbringung der Fürsorgeempfänger ist möglicherweise nicht länger das Konzept der Zukunft – die soziale Kontrolle ist in gemischten Wohngebieten höher.

Einen grünen Erfolg in Zuffenhausen präsentierten die Bezirksbeiräte exemplarisch am Kinderspielplatz Langenburgerstraße. Auf Antrag der Grünen wurde einstimmig ein Rauchverbot für Kinderspielplätze verabschiedet. Die Zigarettebstummel beinhalten in hoher Konzentration Giftstoffe. Gerade kleine Kinderverschlucken sie häufig. Vergiftungserscheinungen und gesundheitliche Schäden sind die Folge. Die Erfahrung etwa in Heidelberg hat gezeigt, dass Verbotsschilder zu weniger Verunreinigungen führen. Eine Kombination von Bußgeld-Drohung und psychologischer Wirkung soll das Rauchen in der Gegenwart von Kindern beenden. Die Grünen im Bezirksbeirat hoffen natürlich auf einen Nachahmungseffekt in anderen Stuttgarter Stadtteilen.

Kulturzentrum

Kleines Suchspiel: Wo ist der Eingang zum Kulturzentrum?

Die Umgebung des Bahnhof Zuffenhausen beweist, wie dringend Stuttgart eine Verordnung für Spielhallen benötigt. Gleich fünf Etablissements teilen sich den Vorplatz mit Zuffenhausens Kulturzentrum. Es ist verständlich, dass Eltern nur ungern ihre Kinder alleine in die Stadtbücherei oder Musikschule schicken oder selbst VHS-Kurse besuchen. Pläne zur Umgestaltung des Platzes sind bereits in Arbeit. Die Grünen wünschen sich eine ansprechende Begrünung und eine Verlegung des Eingangs. Die Stadt als größter und zuverlässigster Mieter in dem Gebäude ist dabei in einer guten Verhandlungsposition. Gemeinsam mit dem Bezirksbeirat und dem Stadteilmanager geht es jetzt darum die finanziellen und rechtlichen Positionen zu klären.

Der Ausbau des ÖPNV ist alternativlos: das zeigt die Aussicht von den Hochgleisen am Zuffenhausener Bahnhof. Die Verkehrsmassen schieben sich unablässig auf der Hochtrasse der B10/27 stadtein- und auswärts direkt an den Wohngebieten entlang. Allein mit einer veränderten Verkehrsführung lässt sich die Blechlawine nicht mehr bewältigen. Gerade der Binnenverkehrmuss weiter für den ÖPNV gewonnen werden. Nur die Veränderung des Mobilitätsverhaltens kann hier nachhaltig für Erleichterung sorgen.
Nur langsam verbessert sich die Verbindung der beiden Teile Zuffenhausens über die Schneise der B10/27 hinweg. Der von beiden Stadtteilen genutzte Supermarkt wird nun erstmalig angemessen mit Rad- und Fußgängerwegen aktiv angebunden, so Herr Oehler.

Weiter ging die Umfahrt in die Unterländer Straße. Zahlreiche Umbaumaßnahmen begleiten die unterirdische Verlegung der Stadtbahn. An der Oberfläche müssen die nur notdürftig abgedeckten Gleise aus der Straße entfernt werden – bisher eine gefährliche Stolperfalle für Fahrradfahrer und Fußgänger. Kreisverkehre werden eingezogen, um den Verkehrsfluss besser zu leiten. Insgesamt entsteht eine attraktive innerstädtische Straße mit Grünflächen und Plätzen zum Verweilen. Problem ist allerdings, dass 300m am oberen Ende der Unterländer Straße ausgespart werden, da die finanziellen Mittel nicht bereitgestellt wurden. Jetzt aber sind die Anwohner an den Baustellenlärm gewöhnt, die Fortführung der Arbeiten eigentlich logisch. Die Grünen setzen sich dafür ein, auf der Unterländer Straße kein Stückwerk zu realisieren.

Viel zu tun im Stadtteil Zuffenhausen!

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