Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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08.06.2018

Nachhaltigkeit im Veranstaltungsmanagement und -programm

Antrag

An diesem Wochenende wird der Übermorgen Markt auf dem Stuttgarter Marienplatz erneut zeigen, wie in Zeiten von Klimawandel, Plastikmeeren und Müllbergen Veranstaltungen verantwortungsvoll organisiert werden und Gäste unbelastet feiern können. Der Übermorgen Markt – „Plattform für nachhaltigen Konsum und Lifestyle“ – ist „regional, nachhaltig und bunt“, so die Veranstalter: „Die gesamte Organisation des Marktes erfolgt nach streng nachhaltigen Kriterien: Wir achten auf eine ganzheitliche Umsetzung und Integration von Abfallmanagement, Beschaffung, Catering, Energie, Mobilität, sozialer Verantwortung und Wasser.“

Vorbildlich ist auch Wien. Um negative Umweltauswirkungen durch Veranstaltungen so weit wie möglich zu verringern und die Stadt mit „natürlich weniger Mist“ sauber zu halten oder sauberer zu machen, hat die Stadt schon früh begonnen, Veranstalter mit dem Modul „ÖkoEvent“ bei der umweltfreundlichen Gestaltung der Veranstaltung zu unterstützen. Flankiert wird ÖkoEvent durch ein Abfallwirtschaftsgesetz, das je nach Veranstaltungsgröße Vorgaben und Auflagen macht. Eine umfassende ÖkoEvent-Kriterienliste macht Vorschläge und Auflagen, einige wenige sollen hier beispielhaft herausgegriffen werden: Selbstverständlich werden Mehrweggeschirre und -becher verlangt. Über von der Stadt mietbare Trinkwasserbrunnen soll Leitungswasser kostenlos ausgegeben werden, Müll soll getrennt erfasst werden, mindestens eine Speise soll bio und / oder fair sein, und es sollen weder Getränkedosen noch Portionsverpackungen bei Ketchup, Mayo oder Senf verwendet werden.

Neben einer kostenlosen Beratung erfahren die Wiener Veranstalter weitere Unterstützung durch das „Wiener Mehrweggeschirr Mietsystem“, einem umfassenden Servicepaket, das bereits seit 2005 erprobt ist und sich in der Praxis bestens bewährt hat. Das Mehrweggeschirr wird von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt, zudem werden bis zu 25 Prozent der Reinigungskosten für ein Gesamtkontingent von 1.000.000 Stück übernommen. Die Lieferung, Abholung und Reinigung des Mehrweggeschirrs wird vom Kooperationspartner Cup Solutions Mehrweg GmbH übernommen. Dadurch entsteht kein Mehraufwand gegenüber Wegwerfgeschirr – Mehrweg ist oftmals günstiger, weil die Anschaffungskosten für Einweggeschirr und die daraus resultierenden Entsorgungskosten entfallen.

Damit praktiziert die Stadt Wien bereits seit Jahren ein nachhaltiges Kreislaufmodell, wie es aktuell in unserer Stadt im Zusammenhang mit der Einführung eines Mehrwegbechersystems diskutiert wird.

Im letzten Jahr konnten wir verfolgen, wie auf dem Stuttgarter Marktplatz innerhalb weniger Wochen mehrere unterschiedliche, aber jeweils große Bühnen errichtet werden. An nicht wenigen Tagen wird der Marktplatz dann teilweise durch den Auf- und Abbau der Bühnen und die Transportfahrzeuge belegt sein. Möglicherweise könnte durch eine Kooperation des Forums der Kulturen, Eric Gauthiers Colours und den Veranstaltern des CSD-Wochenendes sowie ggf. weiteren Veranstaltern Synergien genutzt werden – und in Zeiten des kulturellen Sommerlochs ggf. weitere Angebote geschaffen werden. Deswegen sollte geprüft werden, ob es nicht nachhaltige rund vorteilhafter ist, wenn die Stadt beispielsweise für die Juli-Wochen eine Bühne auf dem Marktplatz aufbauen lässt und diese an die Veranstalter weitervermietet.

Wir beantragen:

1. Die Stadt strebt an, Veranstaltungen und Feste im öffentlichen Raum und in Einrichtungen der Stadt Stuttgart möglichst nachhaltig und verantwortungsvoll zu organisieren.

2. Dafür machen die Fachverwaltungen (Amt für Umweltschutz, Amt für öffentliche Ordnung, AWS, …) einen Vorschlag, wie eine Eventberatung und Kriterienliste ähnlich dem Wiener Beispiel auch in Stuttgart etabliert werden kann.

3. Die Fachverwaltungen stellen dar, welche Auflagen in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Müllvermeidung Veranstaltern bereits heute gemacht werden und unterbreiten Vorschläge, durch welche weiteren Auflagen negative Umweltauswirkungen und Vermüllung durch Feste weiter minimiert werden können.

4. Es wird zudem dargestellt, wie ein Mehrweggeschirr-Mietsystem in Zusammenarbeit mit einem privaten Unternehmen oder einer gemeinnützigen GmbH – möglicherweise in Ergänzung eines künftigen Mehrwegbecher-Pfandsystems mit Kreislauflogistik – aufgebaut und den Stuttgarter Veranstaltern angeboten werden kann.

5. Nach dem Sommer wird mit dem Forum der Kulturen, Eric Gauthiers Colours, den Veranstaltern von CSD-Wochenendes sowie ggf. weiteren Veranstaltern in einem Runden Tisch ausgelotet, ob eine gemeinsame Bühne Vorteile bringt und wie durch diese das kulturelle Angebot vor der Sommerpause ausgeweitet werden könnte.

Andreas G. Winter, Petra Rühle

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