Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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02.03.2018

Weitere Alternativen für einen SSB-Betriebshof in Weilimdorf prüfen

Die Verbesserung des Stadtbahnangebots ist eine zentrale Maßnahme der dringend benötigten Verkehrswende und damit auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Luftqualität.
Wir Grünen erkennen den Bedarf für einen Betriebshof an und sehen die Schwierigkeit, im urbanen Umfeld geeignete Flächen zu finden. Daher sind wir bestrebt, die Suche nach einer geeigneten Fläche zu unterstützen. Uns ist bewusst, dass die von der SSB vorgeschlagenen Standorte auf Weilimdorfer Gemarkung eine erhebliche Auswirkung auf landwirtschaftliche Flächen, Landschaftsschutzgebiete, Klimatologie und bei manchen Varianten auf nahegelegene Wohnbereiche haben.
Die von der SSB geprüften und nicht weiterverfolgten Standortvorschläge in Stammheim, Feuerbach und Zuffenhausen sind für uns nachvollziehbar keine Alternativen.
Mit der Anbindung des S-Bahnhofs an das Stadtbahnnetz verbessern sich nicht nur die Verkehrsbeziehungen zwischen Weilimdorf-Zentrum und Gewerbegebiet, sondern auch mit den Städten Leonberg, Renningen (Bosch), Böblingen, Sindelfingen (Daimler) u.a.
Eine wichtige Prämisse für den SSB-Betriebshof wäre für uns, dass damit eine Angebotsverbesserung im Linienbetrieb für Weilimdorf einhergeht. Dazu gehört für uns auch eine bessere Anbindung des Stadtteils Hausen und ein ganztägiger 10-Minuten-Takt zwischen Bad-Cannstatt und Giebel, auch in den Schulferien und außerhalb der Hauptverkehrszeit, mit der U13 oder der künftigen U16.
Egal, für welche Variante die Entscheidung fällt: Der Flächenverbrauch muss größtmöglich minimiert werden. Deshalb halten wir es für unabdingbar, bei einer Führung entlang der B295 die Trasse ab der Haltestelle Rastatter Straße direkt neben der Bundesstraße im Geländeeinschnitt zu führen. Damit können auch Kreuzungskonflikte mit querenden landwirtschaftlichen Wegen vermieden werden, welche für den Fuß- und Radverkehr bedeutsam sind. Auch der Lärmschutz wird damit verbessert.
Geprüft werden sollte, ob nach der Haltestelle Rastatter Straße eine Unterquerung des Rad- und Fußwegs möglich ist. Vorteile dieser Variante sind – neben der kreuzungsfreien Führung des Rad- und Gehwegs – vor allem der Lärmschutz für dicht angrenzende Anwohner an der Solitude- und Rastatter Straße.

Eine weitere prüfenswerte Variante ist eine unterirdische Trassenführung stadtauswärts nach der Haltestelle Löwenmarkt unter der Rennstraße bis zur B295. Diese Variante würde ca. 500 m Strecke sparen, dadurch geringere Betriebskosten erfordern und kürzere Fahrzeiten er-möglichen.
Für die weitere Diskussion drängen sich folgende, noch nicht näher untersuchte Alternativstandorte auf:

1. Parkplatzflächen im Gewerbegebiet nördlich der S-Bahn
Parkierungsflächen an der Kannengießer Straße, Weissacher Straße, Ingersheimer Straße und nördlich der Motorstraße (ca. 27.000 m²). Zuführung der Stadtbahnen über die Aufweitung der Straßenunterführung (S-Bahn) Weissacher Straße.
Optional Einbeziehung des Porsche-Parkhauses (10.000 m²). Für den Vorschlag müsste al-lerdings die Motorstraße tiefer gelegt werden. Die Kompensation der wegfallenden Parkplätze könnte auf den ebenerdigen Parkplatzflächen der Firma Siemens westlich der Weissacher Straße erfolgen. Auch könnte ein Parkhaus neben der zukünftigen Stadtbahnhaltestelle öst-lich der Weissacher Straße auf den jetzt noch ebenerdigen Parkplätzen (Park & Ride) errichtet werden. Zu prüfen wären auch Querparkerstellplätze auf angrenzenden großzügigen Straßenanlagen.
Vorstellbar wäre auch eine Linienführung auf der Weissacher Straße, da diese während der Hauptein- und Ausfahrzeiten der Stadtbahnen mit versenkbaren Pollern für den MIV gesperrt werden könnte. Die Sperrung halten wir für vertretbar, da nachts die Straße durch den MIV nur in geringem Maße genutzt wird und mit der Hemminger Straße eine Alternative vorhan-den ist. Damit spart man sich eine Aufweitung der S-Bahnunterführung.
Vorteile dieser Variante sind:
• Geringe Eingriffe in die Schutzgüter Boden / Landwirtschaft, Klima, Naherholung, Lärmschutz.
• Kein Landschaftsschutzgebiet!
• Prämisse der Innenentwicklung erfüllt

2. Freiflächen zwischen S-Bahndamm und B295
Freiflächen im Gewann Straßenäcker westlich der Friolzheimer Straße, südlich des S-Bahn-Damms und nördlich der B295 bis zur Gemarkungsgrenze Ditzingen (28.000 m²).
Vorteile dieser Variante sind:
• geringere Eingriffe in die Schutzgüter Landwirtschaft, Klima, Naherholung, Lärmschutz.
• geringerer Erschließungsaufwand im Vergleich zum Standort Motorstraße.

3. Drehung und Verschiebung des Standortvorschlags Flachter Straße
Freiflächen im Gewann Sergraben südlich der Flachter Straße, direkt angrenzend an die B295 bis ungefähr zur Ditzinger Straße und dem Feldweg westlich der Feldscheune. Entfer-nung zum Wohngebäude Glemsgaustraße 99 ca. 275 m.
Vorteile dieser Variante gegenüber dem Standort Flachter Straße sind:
• Geringere Eingriffe in die Schutzgüter Boden / Landwirtschaft, Naherholung, Lärmschutz. Die Gebäude des Betriebshofs wirken im Bereich der stark verlärmten Kreuzung B295/Flachter Straße als Lärmschutz, da die B295 in diesem Bereich nicht im Geländeeinschnitt verläuft. Die Entfernung zu Wohngebäuden ist deutlich größer.
• Geringerer Flächenverbrauch durch weniger Rangiergleise, da der Betriebshof von zwei Seiten angefahren werden kann.

Wir beantragen:

1. Die oben aufgeführten neuen Standortalternativen und Trassenvarianten werden geprüft.
2. Bei allen sich aufdrängenden Varianten wird eine flächenschonende Anbindung des Stadtteils Hausen von Osten her an das Stadtbahnnetz geprüft:
– insbesondere durch einen Haltepunkt unterhalb der Fuß- und Radfahrbrücke über die B295 (VPV).
– sowie durch eine eingleisige Stichstrecke entlang der Gerlinger Straße bis zum Lidl in Hausen. Damit wäre ein Wechselbetrieb zwischen einer Endhaltestelle Hausen/Lidl und einer Endhaltestelle S-Bahnhof denkbar.
3. Zum nächsten Fahrplanwechsel im Dez. 2018 wird ein Vollangebot der Linie U16 oder U13 bis Giebel als vorgezogene Kompensationsmaßnahme gefahren.
4. Alle neu zu bauenden, oberirdisch geführten Gleise (Strecken- und Betriebshof) werden begrünt. Die zu erstellenden Gebäude sind mit einer Dach- und Fassadenbegrünung zu erstellen und der Stuttgarter Gestaltungsbeirat ist frühzeitig miteinzubeziehen.

Clarissa Seitz, Gabriele Munk, Andreas G. Winter

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