Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
Download
19.10.2017

Suchthilfe in Stuttgart sichern und nachhaltig entwickeln

Haushalt 2018/2019 Antrag Nr. 36

I Erhöhung der Sachkostenpauschale der Träger der ambulanten Suchthilfe

Die derzeitige Sachkostenpauschale für die Freien Träger in der Suchthilfe deckt nur etwa 30 Prozent der derzeitigen tatsächlichen Kosten ab. Besonders die steigenden Anforderungen an Dokumentation, Evaluation und ein aussagefähiges Berichtswesen machen die Anerkennung von EDV-Kosten unumgänglich. Gerade für die zumeist kleinen Träger der Suchthilfe ist eine Anpassung der Sachkostenpauschale unerlässliche Grundlage für eine Sicherung und einen nachhaltigen Ausbau des Angebots in Suchtberatung und -prävention.
Im letzten Haushalt ist es uns gelungen, die Pauschale in einem ersten Schritt auf 3.500 Euro pro Arbeitsplatz im Jahr zu erhöhen. Um die Arbeitsgrundlage der Träger der Suchthilfe sicherzustellen und schrittweise eine einheitliche und transparente Fördersystematik zu erreichen, muss nun im nächsten Schritt die angestrebte Erhöhung auf 4.600 Euro erfolgen (s. GRDrs 180/2017). Dies entspricht auch der beantragten Erhöhung der Sachkostenpauschale für die Angebote Sozialpsychiatrische Dienste, Gerontopsychiatrische Dienste und für den Verein Arbeitskreis Leben Stuttgart e.V. (vgl. GRDrs 116/2017).

Daher beantragen wir:

Die Sachkostenpauschale wird ab 2018 um 1.100 Euro auf 4.600 Euro
pro Arbeitsplatz/Jahr und für das Klinikum von 1.950 Euro auf 4.600 Euro pro Arbeitsplatz/Jahr erhöht.


II Ausbau bestehender Angebote im Bereich Suchtprävention und ambulanter Suchtberatung

In Stuttgart wird seit Jahren eine sehr gute Arbeit in der Suchtprävention geleistet, auch weil es den Trägern gelungen ist, zeitlich befristete Projekte mit Dritt- oder Eigenmitteln zu finan-zieren. Gute Suchtprävention aber erfordert eine langfristig gesicherte, adäquate materielle und administrative Ausstattung, die nicht ausschließlich über zeitlich befristete Zuwendungen gewährleistet werden kann. Dazu kommt eine wachsende Nachfrage bestehender Maßnahmen sowie neue Entwicklungen, so in Bereichen wie Medikamentenabhängigkeit, Sucht im Alter oder neuer Drogen.
Damit der Nachfragen nach bewährten Angeboten entsprochen sowie neue Entwicklungen begleitet werden können,

beantragen wir im Doppelhaushalt 2018/2019 folgende Personal- und Raumausweitungen:

Für die Suchtberatung (s. GRDrd 178/2017)

a) 50-Prozent VZ-Verwaltungskraft-Stelle bei Release e.V. im Bereich psychosozialer Angebote für Substituierte (neue Aufgaben / starke Erhöhung des Arbeitsaufkommens im Zuge des offenen Bereichs Kriegsbergstraße / Café Sub und der Einführung des ambulant betreuten Wohnens in Individualwohnungen).

b) 42,5-Prozent VZ-Fachkraftstelle für die Beratung bei Medikamentenmissbrauch/-abhängigkeit beim Klinikum Stuttgart.

c) Übernahme zusätzlicher Miet- und Mietnebenkosten für das Angebot
„ABAS“ des GesundheitsLaden e.V. als Anlaufstelle für Essstörungen.
Mittelbedarf ab 2018 4.369 EUR p.a.

Und für die Suchtprävention (s. GRDrs 179/2017)

d) 85-Prozent VZ-Fachkraftstelle sowie die Übernahme der Miet- und Mietnebenkosten für den zusätzlichen Raumbedarf von 40 qm in der Präventions- und Jugendberatungsstelle Release U21 für Angebote im Medienbereich (Suchtpräventionsangebote, Release Netzpause), Peer-Angebote sowie Kooperationen mit Schulen.

e) 42,5-Prozent VZ-Fachkraftstelle bei Lagaya e.V. sowie die Übernahme der Miet- und Mietnebenkosten für den zusätzlichen Raumbedarf von 30 qm (Beratungsstelle und Prävention) zur Absicherung bestehender, flexibler Angebote für Mädchen und junge Frauen und der Wiederaufnahme des Trainings School-Life-Balance an Stuttgarter Schulen.

f) 42,5-Prozent VZ-Fachkraftstelle bei Caritas e.V. zum Ausbau der familienorientierten Prävention sowie die Übernahme von umzugsbedingten Mehrkosten für den Umzug von Pro Kids (Präventions- und Hilfsangebot für Kinder aus suchtbelasteten Familien) des Caritas e.V.


III Projekt TAKE

Mit dem Projekt „TAKE“ von Release Stuttgart e.V. (s. GRDrs 180/2017) ist es gelungen, mit einem niederschwelligen Beratungs- und Suchtpräventions-Angebot eine bis dato schwer zugängliche Zielgruppe (jugendspezifische Settings, Amphetamin- und Ecstasy-Konsument*innen) zu erreichen und in Stuttgart ein landesweit einzigartiges Projekt zur indizierten Suchtprävention Jugendlicher/junger Erwachsener im Umfeld elektronischer Musikveranstaltungen zu etablieren.

Zur Fortführung und Sicherstellung des Projekts „TAKE“ beantragen wir

1,5 VZ-Fachstellen sowie die Förderung des erforderlichen Raumbedarfs von 25 m² bei Release e.V..

Mittelbedarf für 2018 92.129 EUR
Mittelbedarf für 2019 93.810 EUR


IV „Trotz Alter“

Durch die Angebote der Wilden Bühne e.V. im Rahmen von „Trotz Alter“ (s. GRDrs 181/2017, z.B. Theaterprojekt „Spätlese – Glück im Alter“) konnten die Themen der Suchtprävention und Gesundheitsförderung angesprochen sowie Problemlösungskompetenzen, Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Reflexionsvermögen bei Senior*innen gefördert werden. Darüber hinaus leistet die Wilde Bühne e.V. hier wertvolle Multiplikatoren-Arbeit zur Verankerung von Kompetenzen zu den Themen Suchtprävention und Gesundheitsförderung im Alter.
Zur Fortführung des Angebots „TrotzAlter“ der Wilden Bühne e.V.

beantragen wir

eine 21,25-Prozent VZ-Fachkraftstelle für die Wilde Bühne e.V.


V Spritzentausch- und Spritzenvergabeprogramme in Stuttgart

Der Spritzenverbrauch ist in den letzten beiden Jahren erheblich gestiegen. Ein geregelter Tausch gebrauchter Spritzen ist sehr wichtig, zum einen wegen dem Schutz der Gesundheit der Gebraucher*innen, aber auch, um die Gefahr von achtlos weggeworfenen Spritzen im öffentlichen Raum zu verringern. Deswegen ist es auch essentiell, dass die Öffnungszeiten des Ausgabeschalters ausgeweitet werden. (GRDrs 186/2017)

Daher beantragen wir:

Der Zuschuss an den Caritasverband für Stuttgart e.V. für den
Spritzentausch wird erhöht. (Grüne Liste)

Anna Deparnay-Grunenberg, Andreas G. Winter

Rückblick youtube facebook