Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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19.10.2017

Erhalt des Garnisionsschützenhauses für die Stadtgesellschaft

Haushalt 2018/2019 Antrag Nr. 16

Das Grundstück und die Gebäudegruppe auf der Dornhalde sind ein historisch interessanter Ort. Sie befinden sich in städtischem Eigentum. Die denkmalgeschützten Gebäude müssen erhalten werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen durch Landschafts- und Naturschutz, Denkmalschutz, Wald- und Friedhofsnähe begrenzen eine private Nutzung. Das Gelände Dornhalde und die Gebäude des ehemaligen Schießplatzes sind ein Ort der Militär- und Polizeigeschichte Stuttgarts, die bisher kaum erforscht ist. Hier wurden während der NS-Zeit Forschungen des Vereins zufolge mindestens acht Menschen hingerichtet, die von SS-Gerichten verurteilt wurden, und zwar dort, wo sich heute der Betriebshof des Friedhofs befindet.
Das Gelände liegt an einem viel benutzten Stuttgarter Rundwanderweg zwischen der historischen Seilbahn und der Zahnradbahn. Es besteht ein reges Interesse der ortsansässigen Bevölkerung und der zahlreichen Wanderer an dem reizvollen Gebäudeensemble. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung sind durch die Bauvoranfrage der Initiative (Bauvorbescheid vom Mai 2016) weitgehend geklärt. Naturschutzrechtliche Prüfungen sind erfolgt. Der gemeinnützige Verein Garnisonsschützenhaus will sich verbindlich und dauerhaft um den Erhalt und die Nutzung der Gebäude kümmern. Er will das Gelände als Aufenthaltsort, Naturort und Ort der Geschichte für die Bürgerschaft erschließen, Wohnraum und Arbeitsräume für soziale und künstlerische Zwecke schaffen und die Gebäude sanieren.
Ausstellungen zur Geschichte des Ortes, aber auch zu den Themen Abschied und Tod sollen Lernorte für Schulklassen sein. Der Verein will die historische Kantine in Form eines kleinen Cafés oder einer Teeküche wiederherstellen und die Räume, darunter die Scheibenwerkstadt, für Veranstaltungen zur Förderung von Kunst und Kultur nutzen. Er will etablierte Organisationen und Institutionen aus der Stuttgarter Stadtgesellschaft beteiligen und für Spenden werben. Der Verein will während der Sanierungsphase und danach die Nutzerinteressen koordinieren und das Garnisonsschützenhaus dauerhaft betreiben.
Die Sanierung ist sozialintegrativ geplant mit dem Sozialunternehmen Neue Arbeit. Denkmalunkritische Arbeiten werden von Langzeitarbeitslosen in Betreuung durch die Neue Arbeit ausgeführt. Denkmalkritische Arbeiten erfolgen in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt durch Fachbetriebe. Einzelne Gewerke werden in Abstimmung mit der Handwerkskammer und Fachbereichen/Innungen als einzelne Lernprojekte mit Auszubildenden ausgeführt. Das Sophien-Stift sieht darüber hinaus Möglichkeiten, das Wachhaus für seine Künstler/innen zu nutzen und den Garten instand zu halten.
Die Kostenschätzung nach DIN 276 ergibt einen Finanzierungsbedarf von aktuell 2,1 Mio €, bei einer Bauzeit bis 2020 von 2,215 Millionen Euro. Zuschüsse sind vom Land aus dem Passiv-Aktiv-Transfer (Langzeitarbeitslose), vom Landesdenkmalamt und von den Denkmalstiftungen des Bundes und des Landes zu erwarten.

Wir beantragen deshalb:

1. Die Gebäude am Dornhaldenfriedhof (Garnisonsschützenhaus, Wachhaus, Schuppen, Garten) bleiben städtisches Eigentum.
2. Sie werden dem Verein Garnisonsschützenhaus gegen eine geringe Pacht zur Nutzung überlassen.
3. Damit die Gebäude saniert und ihrer historischen und emotionalen Bedeutung gemäß genutzt und betrieben werden können, beantragen wir für die Sanierung einen Zuschuss von:

Mittelbedarf 2018 1 Mio. EUR
Mittelbedarf 2019 1,1 Mio. EUR

Anna Deparnay-Grunenberg, Andreas G. Winter

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