Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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03.07.2017

Qualität in der Schulkindbetreuung entwickeln – Schule für Schule

Antrag

Die Schulkindbetreuung in Stuttgart ist grundsätzlich auf einem sehr guten Weg. Für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern haben wir eine fachlich hochwertige sozialpädagogische Praxis. Mit dem Stuttgarter Modell der Ganztagsschule und unseren Schülerhäusern sind wir insgesamt gut aufgestellt. Beide Konzepte beruhen auf einer engen Verzahnung bzw. Ergänzung der Schulpädagogik mit den Stuttgarter Trägern der Jugendhilfe. Dies führt dazu, dass nicht nur zusätzliches Personal, sondern vor allem auch zusätzliche sozialpädagogische Kompetenz aus dem Bereich der sozialen Arbeit bei den Schülerinnen und Schülern ankommt. Konzept und Ausstattung in Stuttgart suchen landesweit ihresgleichen.
Der Stuttgarter Weg steht voll im Einklang mit den Plänen des Landes zur Weiterentwicklung der Ganztagsschule. Deshalb werden wir Grüne das Ziel der Stadt unterstützen, die Schulkindbetreuung durch eine rhythmisierte Ganztagsschule zu gewährleisten.
In welcher Geschwindigkeit und in welchem Ausmaß der Weg vom Schülerhaus zur Ganztagsschule gegangen wird, hängt aber auch von der individuellen Schulentwicklung in den einzelnen Schulen und den Entscheidungen der dortigen Gremien ab.
Wir brauchen deshalb in Stuttgart jetzt keine weiteren Strukturdebatten, sondern müssen unser Augenmerk auf die Verbesserung der Qualität in der Schulkindbetreuung lenken. Dabei sollten alle qualitativ hochwertigen Angebotsformen – Ganztagesschule, Schülerhäuser und Horte – einbezogen werden. Auch gute Übergänge vom Schülerhaus bzw. Hort zur Ganztagesschule verdienen gesonderte Beachtung. Leitend sollten dabei für alle Angebotsformen die Ziele sein, die in der Rahmenkonzeption „Eine runde Sache – Die Ganztagsgrundschule in Stuttgart“ gesetzt sind.
Durch die enge Kooperation des Systems Schule mit dem System der Jugendhilfe wird ein komplett neuer pädagogischer Weg beschritten, der bislang noch nicht von einem Fachdienst oder einer Fachstelle begleitet wird. Ein Qualitätsmanagement bzw. eine speziell auf die Bedürfnisse der Schulkindbetreuung zugeschnittene Qualitätsentwicklung findet nicht statt.
In diesem Qualitätsentwicklungsprozess geht es unter anderem darum, alle an der Schule tätigen Akteure konzeptionell weiter zu unterstützen, die spezifische Konzeption jeder einzelnen Schule und die für alle Schulen gültige Rahmenkonzeption mit den Partnern weiterzuentwickeln. Zudem braucht es speziell auf das Stuttgarter Modell zugeschnittene Fortbildungen, gemeinsame Entwicklungsziele und die Möglichkeit, auch bei Konflikten zu moderieren und Entscheidungen herbeizuführen. Letztendlich geht es um eine gesamtstädtische Steuerung und Qualitätssicherung im Bereich der Schulkindbetreuung.
Wir schlagen deshalb als Einstieg in diesen Qualitätsentwicklungsprozess die Einführung eines Qualitätsberichts vor. In diesem Bericht stellt das Referat Jugend und Bildung alle zwei Jahre die Ergebnisse des Qualitätsentwicklungsprozesses dar und unterbreitet dem Gemeinderat ggf. Vorschläge zur Verbesserung der Prozesse und Strukturen sowohl bei den Ganztagsschulen als auch bei den Schülerhäusern.
Zur Qualität in der Stuttgarter Schulkindbetreuung gehört auch die Tatsache, dass an vielen Grundschulen die verlässliche Grundschule die einzige Form der Betreuung darstellt. Diese Form der Betreuung ist jedoch personell als auch konzeptionell nicht auf dem Standard, den wir uns für unsrer Kinder wünschen. Wir Grünen sind der Meinung, dass wir hier in Stuttgart darüber nachdenken sollten, sukzessive das Schülerhaus als Mindeststandard an Betreuung an den Schulen einzuführen. Ein breiter Konsens besteht zudem darüber, dass sogenannte Mischklassen keine sinnvolle pädagogische Form darstellen und nicht weiter in Stuttgart realisiert werden sollen.
Qualitätsentwicklung ist kein Selbstzweck.
Unser Anliegen und unser Anspruch müssen sein, für die Eltern, aber vor allem für unsere Kinder in Stuttgart, die bestmöglichen Bildungs- und Betreuungsangebote zu schaffen.

Wir beantragen deshalb,

dass die Verwaltung in der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses zu folgenden Punkten Stellung nimmt.

1. Wie werden der weitere Bedarf und die Entwicklung der Schulkindbetreuung eingeschätzt?
2. Wie kann der Einstieg in einen Qualitätsentwicklungsprozess aussehen? Welche Unterstützung wäre zur Erstellung eines Qualitätsberichts nötig?
3. Wie kann der Fortbildungsprozess für alle Akteure gestaltet werden?
4. An wie vielen Schulen gibt es nur die verlässliche Grundschule als Betreuungsform und wie könnte ein Einstieg zur flächendeckenden Umwandlung in Schülerhäuser aussehen?

Vittorio Lazaridis, Gabriele Nuber-Schöllhammer, Andreas G. Winter

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