Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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03.07.2017

Denkmal für Deserteure – Verlegung vom Theaterhaus in die Innenstadt

Gemeinsamer Antrag von GRÜNE, SPD, SÖS-LINKE-PluS und FDP

Wir beantragen:

1. Die Stadt unterstützt die “Initiative Deserteur-Denkmal für Stuttgart” in ihren Bemühungen um die Verlegung des Denkmals für Deserteure in die Innenstadt.
2. Die Stadt prüft die Versetzung auf den kleinen Platz Dorotheenstraße/Holzstraße beim Hotel Silber.
3. Die Stadt prüft gegebenenfalls eine andere Stelle auf der Diagonale der Erinnerung im Bereich zwischen Staufenbergplatz-Karlsplatz-Dorotheenstrasse-Holzstrasse.
4. Die Stadt übernimmt die Kosten für Verlegung, Aufstellung und Unterhalt des Denkmals.

Begründung:
Rund um den Karlsplatz mit dem Kaiser Wilhelm-Denkmal, das die Reichseinigung und den Krieg von 1870/71 gegen Frankreich heroisiert, hat sich in Erinnerung an die Opfer des Naziregimes und der Gewaltherrschaft eine Reihe von Gedenkorten etabliert. Vom Mahnmal gegen Krieg und Faschismus über die Staufenberg-Gedenkstätte und die drei Skulpturen von Alfred Hrdlicka zieht sich eine Diagonale der Erinnerung bis zum Hotel Silber, das zukünftig als Lern- und Gedenkort genutzt werden wird.
In diesem Kontext wäre es konsequent, das Denkmal für Deserteure vom bisherigen Standort am Theaterhaus am Pragsattel in die Innenstadt zu verlegen und der Diagonale der Erinnerung eine weitere Facette hinzuzufügen.
Am Ende dieser Diagonale bietet sich ein Platz für die Aufstellung des Denkmals an, der neben dem Hotel Silber an der Holz- und Dorotheenstrasse liegt. Zwischen der Fassade des Hotel Silber und einer Platane, etwas abseits des geplanten Zugangs zum Lern- und Gedenkort, entsteht nach der Umgestaltung auf diesem Areal ein kleiner öffentlicher Raum am Rande der Holzstrasse, der durch das in Stein geschaffene Denkmal betont werden kann und Passanten zur Auseinandersetzung anregt. Der Aufstellungsort ist bewusst etwas abseits des Eingangs zum Hotel Silber gewählt, um eine direkte inhaltliche Verbindung zu vermeiden, die so nicht gewollt und auch historisch nicht stimmig ist.
Das Denkmal ist ein Werk des Aulendorfer Künstlers Nikolaus Kernbach. Aus einem bruchrauh belassenen Steinblock wurde eine schematische Figur herausgesägt und vor dem aufgesägten Block platziert, was das Heraustreten aus der Masse symbolisiert.
Am 30. August 2007 wurde das von 300 privaten Spenderinnen und Spendern finanzierte Deserteur-Denkmal in Anwesenheit von Vertretern der Stadt und des damaligen Bürgermeisters Klaus-Peter Murawski am bisherigen Standort am Theaterhaus enthüllt. Bereits am 25. 05. 2000 beantragten die damaligen Stadträte Stefan Barg (CDU), Robert Baumstark (SPD), und Roland Kugler (Bündnis 90/Die Grünen) die Aufstellung eines Denkmals für Deserteure im öffentlichen Raum.
Deserteure galten lange als Verräter und Feiglinge: „Mit ihrem Tun haben sie jedoch – auch mit dem Motiv der Angst um ihr Leben – ein Zeichen gegen den Krieg gesetzt. Sie wurden dafür gefoltert, saßen im Gefängnis oder wurden hingerichtet; in Stuttgart wurden im Zweiten Weltkrieg über 40 junge Männer ermordet“, lautete die Begründung der damaligen Stadträte Barg, Baumstark und Kugler. Im Jahr 2002 wurden die Deserteure aus Hitlers Wehrmacht rehabilitiert.
Anträge zur Versetzung des Denkmals in die Innenstadt wurden im Gemeinderat bereits 2015 von SÖS Linke Plus und 2016 von der SPD-Fraktion gestellt. Als ein Zeichen der sichtbaren, öffentlichen Würdigung der Stuttgarter Deserteure und auch als ein Zeichen der Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements sollte die Stadt Stuttgart die Verlegung des Denkmals auf einen zentralen Platz in der Innenstadt unterstützen.
Für die Versetzung sollte ein Finanzrahmen von € 7.500,00 eingeplant werden, der eine verkehrssichere Fundamentierung, Transport und Versetzung des Denkmals und das Anbringen einer kleinen Informationstafel umfasst.

Marita Gröger, Martin Körner (SPD); Thomas Adler, Luigi Pantisano (SÖS-LINKE-PluS); Clarissa Seitz, Andreas G. Winter (GRÜNE); Sibel Yüksel (FDP)

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