Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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03.04.2017

Taxiverkehr als Bestandteil des ÖPNV weiterentwickeln

Innovative Ansätze und Ideen der Taxi-Branche aufgreifen
Antrag

Eine intelligente Integration des Taxiverkehrs in den öffentlichen Verkehr der Landeshauptstadt könnte nicht nur das Taxi-Gewerbe stärker im alltäglichen Mobilitätsmix in Stuttgart verankern und damit dessen Nachfrage und Ertragskraft stimulieren, sie könnte den öffentlichen Verkehr insgesamt stärken und damit zu den Zielen der Stadt bei Luftreinhaltung, Mobilität und Klimaschutz beitragen.
Ideen und innovative Ansätze werden innerhalb der Taxi-Branche intensiv diskutiert. Gutachterliche Stellungnahmen hierzu liegen vor, zuletzt anlässlich der Diskussion um den Taxi-Tarif 2017. Es fehlt allein an schlüssigen Konzepten für deren Umsetzung und an Unterstützungs-Strukturen, die der von Interessensgegensätzen und Konkurrenzdruck geprägten Branche den Einstieg in neue innovative Angebote erleichtern könnten. Hier kommt der Stadt als Genehmigungsbehörde des Taxi-Gewerbes und Auftraggeberin für alle Verkehrsangebote auf der Basis des Personenbeförderungsgesetzes eine besondere Rolle und Verantwortung zu. Denkbar wäre beispielsweise, dass Möglichkeiten geschaffen werden, neue Angebotsformen und Tarife zunächst in Pilotprojekten durch einzelne interessierte Taxi-Unternehmen erproben zu lassen. Auch könnte die Stadt sich bei VVS und SSB für eine bessere Integration des Taxigewerbes in den ÖPNV und in die intermodale Informations-, Buchungs- und Bezahlplattform Polygo einsetzen.

Wir beantragen deshalb:

1. Die Verwaltung wird gebeten, zu nachfolgenden Ansätzen für innovative Angebote und Tarifgestaltungen im Taxiverkehr bis zur Sommerpause selbst Stellung zu nehmen (insbesondere hinsichtlich rechtlicher und praktischer Umsetzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten) und die Verbände sowie die Taxigenossenschaft ebenfalls um eine Stellungnahme zu bitten:

a) Einführung eines „Innenstadttarifs“ zum Fixpreis, der eine Fahrt innerhalb der Tarifzone 10 abdeckt und zu einem attraktiven Eckpreis angeboten wird (bspw. „10 für 10“, also 10 Euro innerhalb der Tarifzone 10). Ggf. könnte ein solches Tarifangebot in einer Pilotphase nur von interessierten Taxiunternehmen erprobt oder nur zu bestimmten Tageszeiten oder Wochentagen angeboten werden.
b) lntegration des Taxi-Verkehrs in die Polygo-Plattform bspw. durch Anzeige von Standplätzen und verfügbarer Taxen sowie Angebot von Tarifauskunft, Tarifrechner und Taxi-Ruf-Funktion auf Online-Plattform und App.
c) Möglichkeiten für Sondertarife für Polygo-Nutzer bzw. VVS-Abo-Kunden und Nutzung der Polygo-Karte als Zahlungsmittel im Taxi. Auch solche Angebote und Services könnten zunächst in Pilotprojekten mit einzelnen Anbietern erprobt werden.
d) Im Gegenzug zum Angebot von Sondertarifen für Polygo-Nutzer könnten teilnehmenden Taxi-Unternehmen exklusive zusätzliche Standplätze an ÖPNV-Haltestellen, Bevorrechtigungen beim Taxi-Ruf über die Polygo-Plattform und andere Sonderkonditionen angeboten werden.

2. Die SSB wird gebeten, im Rahmen der Erstellung des Nahverkehrsentwicklungsplans Potenziale für Linienbedienungen mit Taxiverkehr darzustellen. Das können insbesondere Relationen sein, für die die SSB (noch) kein ausreichendes Fahrgastpotenzial für einen Linienbusverkehr erkennen kann oder wo (bisher) nur zu bestimmten Tageszeiten ein Taktverkehr mit Bussen wirtschaftlich darstellbar ist. Hier könnten gezielt Fahrgastpotenziale in der Praxis getestet werden und das ÖPNV-Angebot in Kooperation mit Taxi-Unternehmen aufrechterhalten, verdichtet, ausgeweitet oder verstetigt werden. Ggf. können Linientaxen auf bestimmten Relationen auch dauerhaft das ÖPNV-Angebot der SSB ergänzen – für die Fahrgäste als Regelverkehr zum VVS-Tarif, aus Sicht der SSB aber kostengünstiger als mit einem Linienbus.

Jochen Stopper, Björn Peterhoff, Andreas G. Winter (GRÜNE)

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