Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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24.02.2017

Grünes Band mit Gleisanschluss

SSB-Gleisbegrünungsoffensive wegen Luftreinhaltung dringend geboten
Antrag

Bereits im Juli 2013 (!) haben wir einen Antrag gestellt, in dem ein Bericht zu den Möglichkeiten beantragt wurde, bei Stadtbahn-Gleissanierungen auf Rasengleise umzustellen. Dieser Antrag ist bis heute nicht beantwortet, weshalb wir nun einen neuen Versuch starten.
Unseres Erachtens muss künftig bei allen SSB-Gleissanierungen, sofern technisch möglich, einer Begrünung Vorrang eingeräumt werden.
Früher wurden von der SSB die längere Bauzeit im Vergleich zu einem konventionellen Schottergleis sowie technische Probleme wegen elektrischer Entladungen beim Rasengleis gegen eine Begrünung ins Feld geführt. Da aber in den letzten Jahren von der SSB ca.
10 km Rasengleis neu gebaut wurden, gehen wir davon aus, dass es mittlerweile Lösungen für diese technischen Probleme gibt.
Für eine Begrünung bestehender Trassen sind angeblich aufwändigere Umbauten des gesamten Gleiskörpers notwendig, deshalb ist auch im Sanierungsfall mit längeren Sperrungen der Stadtbahn zu rechnen. Wir meinen, dass es sich für die Stuttgarter Bevölkerung trotzdem lohnt, diesen Nachteil vorübergehend in Kauf zu nehmen, weil langfristig viele Vorteile aus begrünten Gleisen „erwachsen“ im wahrsten Sinne des Wortes.
So tragen grüne Gleise zu einer erheblichen Verminderung der Schallimmissionen bei.
Neben der Lärmminderung erfüllen sie eine Vielzahl ökologischer Funktionen, wie Wasserrückhaltung bei (Stark)-Niederschlägen, Senkung der Umgebungstemperatur durch Verdunstung, Bindung von Feinstaub und Luftschadstoffen und Verbesserung des Mikroklimas. Außerdem leisten grüne Gleise einen wichtigen Beitrag zur städtischen Biodiversität, sehen einfach schöner aus und erhöhen damit die Aufenthaltsqualität in unserer Stadt.
Das aktuelle Wirkungsgutachten des Landes zu NO2-Überschreitungen in Stuttgart zeigt, dass sehr hohe Werte an Straßen ermittelt wurden, auf denen auch oberirdische Stadtbahnlinien verlaufen, z.B. Bebelstraße, Hohenheimer Straße, Böblinger Straße, Waiblinger Straße, Ludwigsburger Straße, Bereich vor Feuerbacher Bahnhof. Mit begrünten Gleisen könnte man hier eine erhebliche NO2- und Feinstaub-Minderung erzielen – es handelt sich im Prinzip um „horizontale Mooswände“.
In der stark versiegelten Innenstadt und in den Stadteilzentren sind das gewichtige Argumente – nicht nur als Beitrag zur Minderung von Luftschadstoffen. Mit der Begrünung von
4 km Gleisfläche könnte ca. ein Hektar Vegetationsfläche neu (!) geschaffen werden, was im urbanen Umfeld mit hohem Flächennutzungsdruck geradezu eine Sensation darstellt.

Wir beantragen:

1. Die SSB berichtet noch im Laufe der Anhörung zur 3. Fortschreibung des Stuttgarter Luftreinhalteplans über den aktuellen Stand ihrer nachträglichen Gleiskörper-Begrünungsmaßnahmen und gibt einen Überblick über die geplanten Sanierungsmaßnahmen.

2. Das Umweltamt gibt

– eine Stellungnahme ab zu der Bedeutung der (nachträglichen) Gleiskörperbegrünung in Hinblick auf Lufthygiene, Stadtklima, Lärm, Wasserhaushalt, Artenvielfalt, Erholungswirkung sowie
– eine Einschätzung, inwieweit dies als Ausgleichsmaßnahme für anderweitige Eingriffe in die Schutzgüter Flora/Fauna, Wasser, Boden, Klima in Frage kommt.

3. Eine sofortige Prüfung, ob bei den geplanten Sanierungsarbeiten zwischen Dobelstraße und Olgaeck zwischen Gründonnerstag und Ostermontag 2017 eine Begrünung des Gleiskörpers möglich ist. Schließlich handelt es sich bekanntermaßen um einen hoch mit Luftschadstoffen belasteten Straßenbereich, insbesondere was die NO2-Überschreitungen betrifft, dessen Begrünung wiederholt vorgeschlagen wurde.

4. Neue Stadtbahntrassen werden – soweit technisch möglich – grundsätzlich mit begrüntem Gleiskörper gebaut.

Clarissa Seitz, Anna Deparnay-Grunenberg (GRÜNE)

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