Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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22.11.2016

Verkehrssituation in Ostheim verbessern – ÖPNV und Radverkehr attraktiver gestalten

Antrag

Der Stuttgarter Osten ist ein attraktiver Stadtteil mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Doch er leidet auch massiv unter der Belastung durch den motorisierten Individualverkehr (MIV). Alternativen zum MIV, der ÖPNV sowie der Radverkehr sind Leidtragende der durch den Autoverkehr verursachten Staus.
Vor allem die Buslinie 40, eine der laut SSB meist frequentierten Linien im Stadtgebiet, hat mittlerweile ein massives Problem. Zu Stoßzeiten sind Verspätungen von über 30 Minuten sowie Streckenänderungen aufgrund des überfüllten Wagenburgtunnels die Regel. Zudem kommt es durch verspätet an der Endhaltestelle ankommende Busse wiederum zu Fahrplanabweichungen in der Gegenrichtung. Und auch zu anderen Tageszeiten treten immer häufiger durch den MIV verursachte Verspätungen auf. Die als Alternative dienende Line 42 leidet ebenfalls stark unter Fahrplanabweichungen. Zudem ist sie, auch nach der erfolgten Taktverdichtung in den Stoßzeiten, mehr als ausgelastet.
Im Nahverkehrsplan (NVP) sind auf Grund dieser Probleme bereits gesonderte Busspuren entlang der Wagenburg- und Schillerstraße sowie dem Gebhardt-Müller-Platz vorgesehen. Doch es bleibt die Engstelle in der Südröhre des Wagenburgtunnels. Dieser einröhrige Gegenverkehrstunnel unterquert die Uhlandshöhe und verkürzt so den Weg zwischen Innenstadt und Ostheim beziehungsweise Gablenberg. Derzeit gibt es zwei Fahrspuren in der südlichen Tunnelröhre, gemeinsam für den MVI und den ÖPNV. Die Röhre ist nicht für Fußgänger und Radfahrer nutzbar.
Die Radwegebeziehungen in diesem Bereich sind ebenfalls stark verbesserungsbedürftig. Es gibt keine direkte Verbindung über die Wagenburg, die Wege sind mit starken Steigungen verbunden, zudem häufig durch Treppen unterbrochen. Die noch am einfachsten zu bewältigenden Strecken führen entlang von stark befahrenen Straßen, auf denen sich der MIV staut, ohne Radwege und mit oftmals sehr schmalen Gehsteigen. Auch für Fußgänger gibt es keine direkte und einfach zu begehende Strecke.
Aufgrund dieser massiven, durch den MIV verursachten Probleme ist bereits die Idee im Gespräch, ganz Ostheim zu untertunneln – eine Tunnellösung wieder einmal nur für den Autoverkehr, für viel Geld, ohne Fördermöglichkeiten durch das Land und mit langer Bauzeit.
Hier haben wir einen anderen Vorschlag, einen Infrastrukturausbau für umweltfreundliche Mobilität, schneller umsetzbar, finanziell günstiger und für den Verkehr insgesamt, v. a. in Bezug auf einen sinnvollen Modal Split, deutlich zukunftsfähiger. Durch den Ausbau der Nordröhre des Wagenburgtunnels (die begonnen, doch dann aufgrund von verkehrlichen Überlegungen verworfen und teils zugeschüttet wurde) zu einem Null-Emissions-Tunnel für E-Busse, Radfahrer und Fußgänger kann ein attraktives Angebot geschaffen werden, das in Verbindung mit Busspuren und der Verkehrsberuhigung der Schillerstraße den Modal Split in Richtung umweltfreundlicher Mobilitätsformen befördert und somit auch zu einer Verringerung des MIV führt. Dieser Infrastrukturausbau für umweltfreundliche Mobilität zieht keine zusätzlichen Verkehre in die Stadt, der Autoverkehr wird nicht beschränkt, die Situation für die Nutzer umweltfreundlicher Verkehrsmittel aber deutlich verbessert.

Daher beantragen wir, zu prüfen,

1. wie der Ausbau der Nordröhre des Wagenburgtunnels zu einem Null-Emmissions-Tunnel für den ÖPNV, Rad- und Fußverkehr sowie der Streckenverlauf auf westlicher bzw. östlicher Seite mit Überführung auf die jeweiligen Bus- bzw. Autospuren entlang der Wagenburgstraße, des Gebhardt-Müller-Platzes und der Schillerstraße umgesetzt werden kann;
2. wie hoch die Kosten für einen solchen Tunnel sind und welche Fördermöglichkeiten durch das Land hierfür abrufbar wären;
3. ob und wie durch die hierdurch ermöglichte Beschleunigung des Streckenverlaufs der Linie 40 eine Verlängerung derselben durch die Talstraße bis zur Haltestelle Schlachthof machbar wäre – hierdurch hätte die Linie 40 dann auch an ihrer Endhaltestelle im Osten Anschluss an die Stadtbahn und könnte noch einen Teil von Gaisburg und Ostheim an den ÖPNV anschließen, die derzeit nicht bedient werden;
4. wie der Radverkehr in diesem Bereich durch die Einrichtung kombinierter Bus- und Radspuren durch die Wagenburg- und Talstraße sowie über den Gebhard-Müller-Platz und die Schillerstraße in Kombination mit dem Umwelt-Kombi-Tunnel gestärkt werden kann.

Petra Rühle, Andreas G. Winter

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