Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Stuttgarts wilde Papageien

Auf unsere Papageien können wir wirklich stolz sein. Außerhalb ihres natürlichen Lebensraums in Zentralamerika kommen sie nur in Stuttgart vor: Die ca. 50 Gelbkopf-Amazonen haben hier eine stabile Population gebildet. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil sie in ihrer Heimat sehr vom Aussterben bedroht sind.
Seit knapp 30 Jahren leben Papageien am Neckar, von der Vogelfachwelt werden sie inzwischen als „eingebürgert bzw. heimisch“ eingestuft. Zahlreiche Ornithologen kommen extra nach Stuttgart, um die Exoten zu beobachten. Besonders im Winter ist es ein einmaliges Schauspiel, wenn sie klangstark auf ihre Schlafbäume rund um den Cannstatter Wilhelmsplatz einfliegen.
Dass die Amazonen ausgerechnet Bad Cannstatt als ihren Lebensmittelpunkt gewählt haben, mag daran liegen, dass dieser Stadtbezirk einer der wärmsten Orte in ganz Deutschland ist, was auch die Winzer, die Mauereidechsen und seit Neuestem der kleine Orpheusspötter, sehr schätzen. Und natürlich daran, dass sie hier Bäume finden, auf denen sie brüten oder schlafen können. Sie mögen höhlenträchtige, nicht zu stark gestutzte Bäume. Auf den äußersten Zweige ihrer Kronen können sie sicher vor Marder und Katzen schlafen.
Auch ihnen zuliebe sollten wir alles dransetzen, die Bäume insbesondere im Talkessel zu schützen. Vor allem das Hauptbrutgebiet der Amazonen, die große Platanenallee im Unteren Schlossgarten, ist durch Stuttgart 21 stark gefährdet. Ohne diese Platanen ist fraglich, ob die Gelbkopfamazonen sich halten können.
Erfreulich ist, dass sie im künftigen Artenschutzkonzept der Stadt als eine von 120 schützenswerten Individualarten aufgenommen wurden – eine wichtige Voraussetzung für weitere Schutzmaßnahmen.
Die Fotografin Tomoko Arai ist seit acht Jahren fast täglich im Schlossgarten und Rosensteinpark unterwegs. Mit schönen Fotos hat sie den hohen ökologischen Wert der Parks dokumentiert. Seit einigen Jahren hat sie sich sehr intensiv auf die Gelbkopf-Amazonen spezialisiert. Inzwischen hat sie fast allen Namen gegeben, kennt ihre Beziehungen und ihre Schicksale.
Wir haben sie gerne eingeladen, im Rathaus auszustellen. Ihre faszinierenden Fotos sind bis zum 4. November im Erdgeschoss zu sehen.

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