Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Wärmer und extremer

Der Klimawandel lässt sich auch mit den Stuttgarter Wetterdaten belegen: Die vergangenen fünf Jahre, 2011 – 2015, waren die wärmsten Jahre, seit die Temperaturen in der Stadt aufgezeichnet werden. Mit einer gemittelten Jahresdurchschnittstemperatur von 11,1 Grad war es deutlich wärmer als in den Jahren 1961 – 1990. Der Referenzwert, der aus den Durchschnittstemperaturen dieser Jahre gebildet wird, liegt bei 9,5 Grad.
Das Jahr 2016 wird die Temperaturen aus 2015 eindeutig nicht erreichen. Dafür dürften aber die Niederschlagswerte dieses Jahres die des Vorjahres deutlich übertreffen: Bis Ende Juni waren bereits 25 Prozent mehr Niederschläge gefallen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Hitzestress und Extremniederschläge werden die Phänomene des Klimawandels sein, auf die sich die Stadt vorbereiten muss. Städtische Wärmeinseln – Gegenden, die sich tagsüber stark aufheizen und in der Nacht kaum abkühlen – bringen Hitzestress und Belastungen für die Wohn- und Arbeitsbevölkerung mit sich. Während versiegelte Flächen zur Aufheizung beitragen, schaffen v. a. Grünflächen – kleine Parks und Grünanlagen, Gründächer- und Fassaden, Straßenbäume etc. – Kühlung, ebenso wie kleine Gewässer, Brunnen oder auch helle Fassaden.
Die Stadt muss sich ebenfalls darauf einstellen, dass mittelfristig in den Sommermonaten durch steigende Temperaturen mehr Wasser verdunstet als es regnet. Die schnelle Ableitung der Niederschläge über die Kanalisation muss hinterfragt und eine naturnahe, Wasser zurückhaltende Regenwasserbewirtschaftung geprüft werden.
Während Hochwasservorsorge seit Jahrzehnten betrieben wird, ist die Überflutungsvorsorge bei Starkregen ein relativ neues Feld. Vorkommnisse wie in Braunsbach haben gezeigt, welches Schadenspotential in diesen – zukünftig häufiger auftretenden, vorab kaum zu lokalisierenden – Sturzfluten steckt.
Starkregengefahrenkarten, wie sie auch vom Land Baden-Württemberg empfohlen und gefördert werden, die beispielsweise eine Regenflut in der Größenordnung von 100 l/m² innerhalb zweier Stunden über einem sensiblen Stadtgebiet modellieren, bilden die Grundlage für die Risikobewertung und eine darauf aufbauende Anpassungsstrategie.
Klimaanpassung muss künftig bei allen Stadtentwicklungs- und –umbaumaßnahmen mitgedacht werden, um der Klimaschutznovelle des BauGB gerecht zu werden, im Rahmen der Bauleitplanung „eine menschenwürdige Umwelt zu sichern, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen sowie den Klimaschutz und die Klimaanpassung, insbesondere auch in der Stadtentwicklung, zu fördern“.

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