Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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16.11.2016

Flanier- und Begegnungszone City

Weniger Verkehr und mehr Aufenthaltsqualität innerhalb des Cityrings
Antrag

In den vergangenen Jahren hat der öffentliche Raum in der Stuttgarter City, also im Gebiet innerhalb des Cityrings, durch verschiedene bauliche und städtebauliche Maßnahmen an Attraktivität gewonnen. Angefangen vom Kleinen Schlossplatz, den neuen Belägen auf Königstraße und Marienstraße, dem Shared Space in der Tübingerstraße und der Fahrradstraße in der Eberhardstraße bis hin zur Neugestaltung der Lautenschlagerstraße und der Kronprinzstraße sind attraktive öffentliche Räume entstanden, die zum Flanieren und zum Aufenthalt einladen. Auch mit den aktuell noch laufenden Baumaßnahmen im neu entstehenden Dorotheenquartier und im Areal der früheren Rathausgarage entstehen attraktive öffentliche Räume, wo früher Hinterhof-Atmosphäre und zugestellte Restflächen das Bild bestimmten.

Leider werden diese Bemühungen, den öffentlichen Raum in der City aufzuwerten und attraktiver zu gestalten, noch an zu vielen Stellen durch eigentlich unnötigen Verkehr konterkariert, sei es durch Parksuchverkehr, oder durch überwiegend abendlich stattfindendes „Cruisen“. Natürlich gibt es hier durch die innerhalb des Cityrings gelegenen Tiefgaragen auch Verkehr, der auf absehbare Zeit fortbestehen wird. Aber schon eine Beschränkung dieses Verkehrs auf das tatsächlich unvermeidliche Maß könnte einen nicht zu unterschätzenden Gewinn an Lebensqualität für die Anwohner und an Aufenthaltsqualität für Passanten und Flaneure bringen, der jede Anstrengung wert ist.

Andere europäische Städte vergleichbarer Größe wie Bordeaux, Florenz oder Pisa haben mit intelligenten verkehrlichen und städtebaulichen Konzepten erfolgreich gezeigt, wie ganze Innenstädte zu attraktiven öffentlichen Räumen werden, von denen Anwohner, Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbe gleichermaßen profitieren.

Wir beantragen deshalb:

Die Verwaltung untersucht folgende Ansätze zur Verkehrsberuhigung und attraktiveren Gestaltung des öffentlichen Raums innerhalb des Cityrings und schlägt dem Gemeinderat geeignete Maßnahmen zu ihrer Umsetzung vor:

1. Abschrankung der Bolzstraße auf Höhe Lautenschlagerstraße:
Um unnötigen, die Königstraße kreuzenden Verkehr zu vermeiden, wird die Bolzstraße an ihrem oberen Ende abgeschrankt. Diese Schranke gilt gleichzeitig als Zufahrt zu den City-Parkhäusern, die über die Bolzstraße, die Stauffenbergstraße und die Stephanstraße angefahren werden. Entsprechende Parktickets werden also bereits an der Schranke zur Bolzstraße gelöst. Lieferverkehr und Anliegerverkehr zu ggf. vorhandenen privaten Stellplätzen erhält ebenfalls eine Zufahrberechtigung.

2. Autofreier Ehrenhof:
Der Ehrenhof des Neuen Schlosses wird als Teil eines der schönsten Plätze Europas nicht mehr als Parkplatz genutzt. Die Landesregierung wird gebeten, tatsächlich notwendige Stellplätze für Bedienstete des Finanzministeriums und Besucher in den umliegenden landeseigenen Tiefgaragen auszuweisen (z.B. in den Tiefgaragen des Landtags, der Landesbibliothek und der LBBW).

3. Einfahrt in das Gebiet innerhalb des Cityrings nur noch für Anwohner, Lieferverkehr und als Zufahrt zu den Parkhäusern:
Alle anderen Zufahrten in den Bereich innerhalb des Cityrings werden analog zum obigen Vorschlag für die Bolzstraße durch geeignete Maßnahmen sukzessive so geregelt, dass nur noch Anwohner, Lieferverkehr und Verkehr zu den Parkhäusern und privaten Stellplätzen Einfahrt in die City erhalten. Ziel ist eine flächenhafte Priorität des Fußgängerverkehrs.

4. Parksuchverkehr vermeiden, öffentlichen Raum aufwerten:
Um unnötigen Parksuchverkehr nach Parkplätzen im öffentlichen Raum zu vermeiden, werden innerhalb des Cityrings Parkplätze im Straßenraum sukzessive rückgebaut. Notwendige Stellplätze bspw. für Anwohner werden in den vorhandenen Tiefgaragen ausgewiesen.

5. Hohe Erreichbarkeitsqualität mit öffentlichem Verkehr, Fuß- und Radverkehr herstellen:
Als Alternative zur Erschließung der City über den motorisierten Individualverkehr wird für eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt für den Radverkehr und flächenhafte barrierefreie Fußgängerwegebeziehungen gesorgt. Zusätzlich wird die Einrichtung eines Shuttle-Busses auf dem Cityring geprüft, der alle wichtigen Orte und Erschließungspunkte in einem attraktiven Takt andient. So wird eine komfortable, barrierearme Erschließung der gesamten City ermöglicht.

Jochen Stopper, Anna Deparnay-Grunenberg, Andreas G. Winter

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