Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Urbane Sturzfluten

Kürzlich morgens in den Nachrichten, gleich nach dem Bericht über den verheerenden Tornado in Hamburg: die erneute Warnung vor schweren Unwettern im Südwesten. Lokal könnten starke Niederschläge von bis zu 40 l/m² in kurzer Zeit auftreten: Starkregenwetter!
Starkregenereignisse treten als eine der Folgen des Klimawandels zunehmend häufiger auf, weil sich bei höheren Temperaturen größere Wassermassen in der Atmosphäre sammeln und diese sich zunehmend eher in Extremwettern niederschlagen.
Stuttgart blieb in diesem Jahr bisher verschont. Am 29.05. wurden in der Stadtmitte „nur“ 21,04 l/m² gemessen. Dennoch muss sie sich auf häufigere Starkregenereignisse einstellen. Kommunen sind auf diesen Ereignistyp neuer Art noch eher wenig vorbereitet. Eine urbane Sturzflut resultiert aus länger anhaltenden und intensiveren Niederschlägen als solchen, die der Kanalbemessung zugrunde liegen. Weder Böden noch das Kanalnetz können die Wassermengen aufnehmen, das Wasser fließt an der Oberfläche ab, in schlimmen Fällen bilden sich rasch ansteigende und äußerst energiereiche Hochwasserwellen mit hohem Zerstörungspotential.
In Anbetracht der seltenen, aber dann enormen Wassermassen ist Abhilfe nicht über den Ausbau des Kanalnetzes zu erreichen, dessen Leistungsfähigkeit aber unabdingbar bleibt. Stattdessen müssen Simulationen – mit Hilfe von leistungsfähigen geografischen Informationssystemen – abbilden, wohin das Wasser fließt. Für die daraus identifizierten besonders gefährdeten städtischen Strukturen können beispielsweise Wasserrückhalteräume geschaffen werden.
In der Verwaltung wurde das Problem bereits in den Blick genommen. In der Vorlage „Hochwasser nach Starkregen“, dem Bericht „Zustand des Kanalnetzes“ und der Mitteilung „Hochwasser in Stuttgart“ werden Vorkehrungen gegen Extremunwetter dargestellt.
Zu diesen gehört die Sicherstellung der hydraulischen Leistungsfähigkeit des 1.785 km langen Stuttgarter Kanalnetzes, aber auch die Erstellung von Geländesenkenplänen und Überflutungsgefahrenkarten.
Wir haben nun beantragt, dass ein Alarm- und Einsatzplan zum Großschadensereignis „Örtliches Hochwasser und Starkregen“ im Ausschuss für Umwelt und Technik vorgestellt wird und zudem mitgeteilt wird, wo das Kanalnetz noch ertüchtigt werden muss.

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