Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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22.03.2016

Eine Riesenentwicklung zeichnet sich in Vaihingen ab

Mobilität und Aufenthaltsqualität als Grundvoraussetzung
Antrag

Wir begrüßen den Verbleib der Allianz AG auf Stuttgarter Gemarkung. Mit dem geplanten Umzug nach Vaihingen würde die Wahl auf einen auch durch den künftigen Regionalbahnhalt bestens öffentlich angeschlossenen Standort fallen.
Die Konzentration der Allianz im Synergiepark will dennoch sensibel erwogen werden und wirft Fragen für das gesamte Gewerbegebiet auf. Besondere planerische Betrachtung müssen – neben dem geplanten Standort auf dem Sportgelände des TSV Georgii Allianz – auch dessen direkte Umgebung und das Areal um den zukünftigen Regionalbahnhof erfahren.
4.000 Allianz-Mitarbeiter werden die Notwendigkeit erhöhen, im Gewerbegebiet eine Aufenthaltsqualität zu schaffen, die derzeit kaum existiert.
Und unabdingbar muss eine Antwort darauf gegeben werden, wie im heute schon verkehrsüberlasteten Stadtbezirk Vaihingen die Verkehre nachhaltig und leistungsfähig organisiert werden können. Insbesondere muss im Zuge der Neuansiedlungen und –entwicklungen eine Lösung vom Eiermann-Campus im Westen bis zur SSB-Zentrale im Osten gefunden werden. Umso mehr, wenn der Synergiepark mittelfristig bis zu 40.000 Arbeitsplätze bieten soll.
Drei Themengebiete sind uns besonders wichtig und müssen im Zuge der der Ansiedlung der Allianz-City in Vaihingen ganzheitlich betrachtet werden:

1. Baufeld für Allianz-City und Grünzug am Schwarzbach

Für einen Neubau der Allianz-City sind anspruchsvolle städtebauliche und ökologische Rahmenbedingungen vorzugeben, da der Flächennutzungsplan die Fläche als „Sport und Grünbereich“ darstellt. Die überbaubare Fläche sollte einen großzügigen Abstand zum Grünzug “Schwarzbach” aufweisen. Dieser kann als Ausgleichsmaßnahme sowohl als Naturschutzprojekt wie auch als Erholungsraum neu von der Stadt konzipiert und gestaltet werden. Entgegen kommt diesen Plänen, dass die vor Jahren abgebrannte Sportinsel nicht mehr aufgebaut wird. Der Grünzug sollte in östliche Richtung verlängert werden. Im gesamten Synergiepark sollten Grünkorridore und begrünte Aufenthaltsinseln die Aufenthaltsqualität steigern.

2. Bahnhofsumfeld und Unterführungen

Im Zuge des Umbaus zu einem Regionalbahnhalt Vaihingen muss das Bahnhofsvorfeld ebenso dringend neu gestaltet, die trennende Wirkung des Schienenstrangs aufgebrochen werden:
– Die Verkürzung und Aufwertung der Süd-Unterführung sowie der Durchbruch der Nord-Unterführung müssen entsprechend des Ergebnisses der Bürgerbeteiligung Aurelis geplant und durchgeführt werden.
– Die notwendige Infrastruktur für diesen in Zukunft noch wichtigeren Mobilitätsknoten muss mitgeplant werden: dringend benötigte Fahrradabstellplätze oder ein Fahrrad-Parkhaus, eine Wartehalle mit öffentlichen Toiletten, Vergrößerung des call-a-bike-Angebots, einen Kiss & Ride-Bereich (für Kurzparker), Carsharing-Parkplätze usw. müssen planerisch bedacht werden.
– Wir sehen die Notwendigkeit, die nördliche Seite des Bahnhofsumfelds (Richtung Vaihingen-Zentrum) ebenfalls mit besseren Wegebeziehungen, der Neuplanung der Bushaltestellen und einer besseren Anbindung zum jetzigen Stadtgarten aufzuwerten.

3. Mobilitätskonzept für Vaihingen

Die neuen Entwicklungen vom Eiermann-Campus über den Vaihinger Regionalbahnhalt, der künftigen Allianz-City, weiteren Entwicklungen im Synergiepark bis zur SSB-Zentrale erfordern dringend ein übergreifendes Mobilitätskonzept für den gesamten Bezirk, dessen Hauptstraße heute völlig überlastet ist. Neben der jetzigen Idee eines Bus-Shuttle-Systems wäre der Bau einer urbanen Seilbahn eine innovative und praktikable Idee. Diese könnte den genannten Bereich durch einen taktlosen horizontalen „Paternoster“ enorm entlasten: Vom Eiermann-Campus über das Freibad, den Regionalbahnhalt, den Synergiepark an der U12 bis zu einer neu zu planenden Park and Ride-Anlage an der Nord-Süd-Straße.
Seilbahnen im urbanen Umfeld sind derzeit in Deutschland noch wenig verbreitet. Ihre ökologischen, planerischen und wirtschaftlichen Vorteile sowohl im Bau als auch im Betrieb führen dazu, dass sie wahrscheinlich mittelfristig nicht mehr wegzudenken sein werden. Wie seit 2012 in London, wie auch demnächst in Berlin oder Zürich werden sie immer mehr Anwendungen in bereits bebauten Gebieten mit hohen Mobilitätsbedürfnissen finden:
http://www.zeit.de/lebensart/2012-08/lust-auf-stadt-seilbahn
http://green.wiwo.de/schweben-statt-im-stau-stehen-seilbahnen-erobern-die-metropolen/

Wir beantragen daher:

1. Die Verwaltung berichtet im Ausschuss für Umwelt und Technik über die Verträglichkeit der geplanten Bebauung der Allianz-City auf dem Sportgelände des TSV Georgii Allianz.
2. Das Baufeld für die Allianz-City wird so festgelegt, dass entlang des Schwarzbachs ein Grünzug, beginnend an der Liebknechtstraße, geschaffen werden kann.
3. Die Verwaltung stellt ein Konzept dar, wie dieser Grünzug Schwarzbach sowohl als ökologische Oase wie auch als Erholungsraum gestaltet werden und wie eine Weiterentwicklung des Grünzugs nach Osten möglich gemacht werden kann.
4. Für den gesamten Synergiepark wird eine Grün- und Aufenthaltsplanung präsentiert.
5. Es wird berichtet, wie den Belangen des Sportes Rechnung getragen werden soll.
6. Die Verwaltung plant das Bahnhofsumfeld mit den Unterführungen, wie sie dem Ergebnis der Bürgerbeteiligung Aurelis entsprechen, und stellt dar, welche Infrastruktur geschaffen bzw. ausgebaut werden muss, um die Leistungsfähigkeit des Mobilitätsknotens Vaihingen zu steigern. Zudem präsentiert sie Vorschläge, wie die nördliche Seite des Bahnumfeldes aufgewertet werden kann. Ein Bericht hierzu erfolgt vor der Sommerpause im Ausschuss für Umwelt und Technik.
7. Die Verwaltung entwirft mit den maßgebenden Akteuren des Synergieparks und des Bezirkes ein Mobilitätskonzept für das Gewerbegebiet und für den gesamten Bezirk in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen. Dazu prüft die Verwaltung die Machbarkeit und die verkehrstechnischen Vorteile einer urbanen Seilbahnlösung und berichtet hierüber im Ausschuss für Umwelt und Technik.

Anna Deparnay-Grunenberg, Beate Schiener, Gabriele Munk

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