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15.01.2016

Wegweisend und Wert-voll: Integration durch gemeinsames Wohnen von Studenten und jungen Flüchtlingen

Antrag

Vor wenigen Wochen ist in München ein wegweisendes Integrationsprojekt unter der Schirmherrschaft des Münchner Oberbürgermeisters gestartet. Einer der größten überkonfessionellen Träger für soziale Hilfsangebote in Bayern, Condrobs, hat ein gemeinsames Zuhause für 66 unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) und für 44 Studenten geschaffen. Ein eindrucksvoller Film über dieses Wohnprojekt war unlängst im Bayerischen Fernsehen zu sehen.
Neben der Betreuung durch die 14 Condrobs-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trägt vor allem der gemeinsame Alltag von Flüchtlingen und Studenten zu einer schneller gelingenden Integration bei. Beide Gruppen unterstützen sich und lernen voneinander. Oft trifft man sich zum gemeinsamen Abendessen in der Gemeinschaftsküche der Flüchtlinge: Drei Afghanen kochen einfach viel frischer und leckerer als die Studenten. Geschätzt werden auch die Künste eines jungen Flüchtlings, der perfekt und stilsicher Haare schneidet. Die Studenten hingegen bieten vielfältige Hilfestellungen im Alltag, begleiten bei Behördengängen oder nehmen Flüchtlinge mit auf den Fußballplatz. Auch damit tragen die nur wenige Jahre älteren Studentinnen und Studenten zu einer stabilen, Vertrauen gebenden Umgebung für die alleinstehenden minderjährigen Flüchtlinge bei, die diese nach ihren in der Regel sehr traumatischen Erfahrungen dringend brauchen. Für die Studenten besteht zudem die Möglichkeit eines Zuverdiensts, sei es an der Pforte oder in der Cafeteria.
Fast nebenbei wird durch das gemeinsame Wohnen vieles für eine schnell und gut gelingende Integration geleistet: Die deutsche Sprache wird rascher gelernt, unsere kulturellen Werte werden vorgelebt und erlebt, Motivation für Ausbildung und Studium wird geschaffen.
Durch das Zusammenlegen der Lebenswelten wächst das Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen und Biografien – die Studenten schauen sich die Tagesschau mit ganz neuem Interesse an – die Welt wächst ein Stück zusammen.
Gerade wenn die Furcht vor der Zunahme kultureller Konflikte wächst, sind derartige beispielgebende Projekte unverzichtbar.

Wir beantragen daher:

1. In einer der nächsten Sitzungen des Jugendhilfe-Ausschusses stellt eine Vertreterin / ein Vertreter von Condrobs dessen Integrationsprojekt Kistlerhofstraße 144 in München vor.

2. Dabei soll auch dargestellt werden, ob und durch welche Maßnahmen dafür Sorge getragen wird, dass einerseits Ausbildungswege weiterverfolgt und abgeschlossen werden und andererseits die Integrationsarbeit für die Stadt auch dann weiter Früchte trägt, wenn die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge die Volljährigkeit erreichen.

3. Die Verwaltung prüft, welche Standorte sich für eine solche gemischte Wohnform eignen.

Andreas G. Winter, Gabriele Nuber-Schöllhammer

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