Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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Porträt

Dr. Christine Lehmann

Schriftstellerin, Radbloggerin
Jahrgang 1958

Persönliches

Genf ist zwar meine Geburtsstadt, aber ich bin in Stuttgart aufgewachsen: In Vaihingen bin ich zur Schule gegangen, studiert habe ich Germanistik und Kunstgeschichte an der Stuttgarter Universität mitten in der Stadt. Gewohnt habe ich in Vaihingen, in Sonnenberg, am Vogelsang und in Münster, bis ich schließlich mit meinem Mann im Süden gelandet bin. 1989, in dem Jahr, als die Berliner Mauer fiel, habe ich beim damaligen SDR, heute SWR, angefangen in der Nachrichtenredaktion zu arbeiten. Schon bald habe ich dann meinen ersten Krimi veröffentlicht. Mittlerweile sind es ein Dutzend. Hinzu kamen Unterhaltungsromane und Jugendbücher.
Von meinem Küchenfenster kann ich über die ganze Stadt blicken bis zum Kraftwerk am Neckar, auf dem ich so oft es geht zusammen mit anderen in einem Ruderboot des Stuttgart-Cannstatter Ruderclubs meine Bahnen ziehe. 2006 habe ich ein Pedelec testgefahren und wusste, das ist die Lösung, um den Berg hochzukommen. Als Stadtbahn- und später Autofahrerin kannte ich die Stadt, als Radfahrerin habe ich sei neu und vor allem viel besser kennengelernt. Seitdem ist das Pedelec für mich mein „Stadtauto“, und die Stadt und ihre schönen Plätze, Winkel und Ecken wachsen mir immer mehr ans Herz. Man kann zwar in Stuttgart viel besser Rad fahren als viele denken, aber ein paar Schwierigkeiten gibt es da schon. Deshalb habe ich 2013 mit einem Blog übers „Radfahren in Stuttgart“ begonnen. Der ist inzwischen eine Art online-Zeitung für Radfahrer/innen in Stuttgart geworden.

Politisches

Die Grünen waren von Anfang an meine politische Heimat, weil sie in der Energiepolitik und beim Naturschutz die großen Fragen meiner Jugend beantwortet haben. Ich habe zwar viele Wahlkämpfe mitgemacht, doch bis vor ein paar Jahren habe ich es mir im Traum nicht vorstellen können, dass ich selbst ein politisches Amt haben würde. Schuld daran ist mein Fahrradblog „Radfahren in Stuttgart“. Er hat mich in den Bezirksbeirat Süd geführt und von dort auf die Liste der Grünen für den Gemeinderat. Ich bin bei der Kommunalwahl 2014 knapp nicht reingekommen und 2015 für Peter Petzold nachgerückt, der Baubürgermeister geworden ist.

Aktuelles

Als Schriftstellerin bin ich vor allem Beobachterin. Ich sehe, dass immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind. Viele auch sportliche Radfahrer/innen legen sich ein Pedelec zu. Schön, dass so viele sich bewegen wollen. Weniger schön finde ich, dass viele Radler Gehwege benutzen, weil sie vor dem Autoverkehr Angst haben. Darüber ärgern sich die Fußgänger/innen zu Recht. Ich beobachte aber auch, dass es für Radfahrer/innen oft schwierig ist, einen Weg durch den Verkehr zu finden, auf dem sie sich sicher fühlen und auch sicher sind. Hier können wir noch was tun. Das nützt auch dem Autoverkehr, mehr als es auf den ersten Blick scheint. Denn jeder Radler ist ein Mensch weniger, der im Auto im Stau steht oder die Stadtbahnen füllt. Viele Radfahrer entlasten die Innenstadt vom Autoverkehr und räumen denen mehr Platz ein, die aufs Auto angewiesen sind. Wer Rad fährt, stärkt zudem seine Gesundheit. Eine Stadt mit gesünderen Bürgerinnen und Bürgern spart Geld. Zudem kostet der Ausbau von guten Radstrecken vergleichsweise wenig. Radfahrer helfen sogar sparen. Und sie helfen bei der Lösung des Feinstaub- und Stickoxid-Problems in Stuttgart. Eine Versöhnung der drei Verkehrsarten, Auto, Fahrrad und zu Fuß Gehen ist mein Hauptanliegen.
Unsere Städte, auch Stuttgart, haben sich verändert. Die Menschen sind mehr draußen als früher, sie joggen durch den Stadtgarten und durch die Wälder, sie rudern auf dem Neckar, sie unternehmen Radtouren nach Esslingen oder Marbach oder sitzen in Cafés und Biergärten. Der Freizeitwert einer Stadt spielt auch bei der Entscheidung junger Fachkräfte für unsere Industriebetriebe eine Rolle, ob sie zu uns kommen oder nach München oder Hamburg gehen. Er ist ein wichtiger Faktor der Wirtschaftsentwicklung. Deshalb ist uns Grünen das Leben im Grünen so wichtig. Deshalb wollen wir die Stadt zum Beispiel an den Fluss bringen. Viele von uns wissen nicht einmal, in welche Richtung er fließt. Sie haben noch nie an seinem Ufer gesessen und den Schwänen und Enten zugeschaut. Wo auch? Die Stadt am Fluss ist ein zentrales Projekt der Grünen, das den Stuttgartern und Cannstattern den Neckar zurückgeben soll mit Plätzen zum Verweilen und Promenieren.
Auch die Weinberge rund um den Kessel und an den Neckarufern und die vielen Staffeln, die nach oben und unten führen, machen Stuttgart als Stadt, in der man gut draußen sein kann, einmalig. Es ist eine Stadt der kurzen Wege in die Freizeit. Am Max-Eyth-See, im Degerlocher Wald, an den Bärenseen, aber auch mitten im Kessel im Schlossgarten können sich Familien an Grillplätzen treffen, ohne lange fahren zu müssen.

Lesung
Porträt vor Rathaus
mit Fahrrad
Rudern
 
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