Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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12.05.2015

Neuer Tagungs- und Kongress-Standort

Nicht isoliert von der Veranstaltungsstadt Stuttgart diskutieren
Anfrage

Am vergangenen Freitag wurde im Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen ein umfangreiches Gutachten bzw. eine Potentialanalyse zur Tagungs- und Kongressstadt Stuttgart vorgestellt. Die Studie geht von einer Unterdeckung der Tagungs- und Kongresskapazitäten in Stuttgart aus. Dies wurde auch von Stuttgart-Marketing moniert und von ihrem Geschäftsführer im Ausschuss bekräftigt. Wir begrüßen das Vorgehen, über fundierte Studien tatsächliche Bedarfe zu ermitteln und haben im Ausschuss zugesagt, uns konstruktiv an der Diskussion um die Schlussfolgerungen einzubringen.
Die Studie beurteilt das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle (KKL) als „sehr gut etabliertes Haus mit geeignetem Raumprogramm im Stadtzentrum, in direkter Lage zum Boschareal und somit zu Geschäften, Restaurants und Nachtleben“. Weiter stellt die Studie die sehr gute Anbindung an den ÖPNV und die Hotellerie (das Maritim als größtes Hotel in Stuttgart ist direkt an das KKL angeschlossen) fest und beurteilt: „Hochwertige Ausstattung sehr gut geeignet für Tagungen und Kongresse“.
Gleichzeitig ist festzustellen, dass das KKL überwiegend durch eine kulturelle Nutzung belegt ist. Der Beethovensaal in der alten Liederhalle (der größte der Säle im KKL) wird von den drei Stuttgarter Orchestern, dem SWR-Orchester, dem Staatsorchester und den Stuttgarter Philharmonikern bespielt. SKS Russ hat dort mehrere Abo-Reihen und die Internationale Bachakademie sowie das Stuttgarter Kammerorchester geben ebenfalls regelmäßig im Beethovensaal sowie in Hegel- und Mozartsaal Konzerte. Weitere Veranstalter und Stuttgarter Institutionen nutzen die Liederhalle. Während der Beethovensaal mit seiner guten Akustik ein bedeutender Konzertsaal für Stuttgart ist, in dem viele bedeutende Orchester und Solisten aus aller Welt aufgetreten sind, ist der Hegelsaal ein Kompromiss, der merklich eher für Kongresse gebaut wurde. Für uns stellt es sich daher als sinnhaft dar, bei einer Erweiterung der bestehenden Flächen den Blick auf die gesamte Veranstaltungs- und Kongressdestination zu lenken, bevor wir über einzelne Segmente und deren Lösungen diskutieren.
Nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung vom 9. Mai 2015 scheint sich jedoch ein Neubau eines Kongresszentrums bereits jetzt abzuzeichnen. Der Artikel legt außerdem nahe, dass ein Investor bereits in den Startlöchern steht.
Bevor wir diese Variante eines Lösungsansatzes prüfen und diskutieren,

stellen wir daher folgende Fragen:

1. Wie die Studie nahelegt, können Anfragen im Tagungs- und Kongressbereich in Stuttgart nicht bedient werden. Gleichzeitig stellen wir einen erheblichen Engpass für Kulturveranstaltungen im KKL fest (siehe auch unsere früheren Anträge zu diesem Thema) und wissen um die Probenraumsituation der Orchester, im Besonderen um die sich ab 2016 neu ergebenden Bedarfe durch das dann fusionierte SWR-Orchester. Im Jahr 2012 fanden im KKL bereits sechs Hauptversammlungen und rund weitere 50 größere Tagungen, Messen usw. neben den Kulturreihen statt. Die Umsatzerlöse lagen im KKL gesamt mit 6,1 Mio. Euro ca. 5 Prozent über dem Vorjahr.
Wenn im KKL, dem „sehr gut etablierten Haus mit geeignetem Raumprogramm“ oder in einem neuen Kongresszentrum die Nachfrage bedient werden könnte, welche Mehreinnahmen könnten daraus generiert werden?
2. Wurde geprüft, welche Anforderungen an einen philharmonischen Neubau zur Entlastung der Situation im KKL notwendig wären, damit diese Mehreinnahmen auch im KKL zu erzielen wären?
3. Wurde geprüft, inwieweit ein weiterer Orchesterprobenraum eine Entlastung in bestehenden Häusern mit sich bringen würde bzw. welche der bereits von der Verwaltung genannten kulturell/gesellschaftlichen Vorhaben in diesem realisiert werden könnten?
4. Welche Flächen wurden für einen Neubau eines Kongresszentrums geprüft und welche Bedingungen mussten diese Flächen erfüllen?
Wurden die möglichen Einbindungen und ihre Auswirkung auf die Nachbarschaft städtebaulich bewertet?

Andreas G. Winter, Silvia Fischer, Anna Deparnay-Grunenberg

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