Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Von St. Gallen lernen

Alle sechs bis zehn Monate verdoppeln sich die Datenraten, die wir auf unsere Smartphones, Tablets und Rechner laden oder ins Netz stellen. Die Übertragungsnetze kommen deshalb immer schneller an ihre Grenzen und die Mobilfunkbetreiber mit der Nachrüstung nicht nach. Mit dieser geht aber leider auch eine immer stärkere Strahlenbelastung für den Menschen einher. Auch in Stuttgart gibt es immer mehr Beschwerden von Bürgern, die keine weiteren Mobilfunkanlagen in ihrem Wohnumfeld wollen. Schaut man sich die technischen Möglichkeiten an, die es aktuell gibt, könnte man starkstrahlende Mobilfunkantennen sogar als „Dinosaurier-Technologie“ bezeichnen. Vergleichbar, wie wenn wir unsere Straßenbeleuchtung mit Flutlichtanlagen bewerkstelligen würden. Auf den Stuttgarter Westen bezogen, würde das bedeuten, es gäbe anstelle vieler hunderter Straßenlaternen nur wenige riesige Flutlichtanlagen, die nachts so hell und grell leuchten, dass auch in den kleineren Sträßchen noch etwas Licht ankommt. Genauso ineffektiv funktioniert die derzeitige Mobilfunktechnologie. Denn die Abstrahlleistung der Mobilfunkmasten ist so ausgelegt, dass auch Hauswände und Bäume überwunden werden damit noch im Keller mobil telefoniert werden kann.
Aber es geht auch anders! Das stellte kürzlich der Leiter des St. Gallener Amtes für Umwelt und Energie, Harry Künzle, bei unserer Veranstaltung zum Thema Mobilfunk vor. Obwohl in der Schweiz die Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung bereits wesentlich niedriger sind als in Deutschland wollen die St. Gallener den Gesundheitsschutz ihrer Bürger noch verbessern und eine optimale Datenübertragung auf dem neuesten Stand der Technik möglich machen. Deshalb riefen die Zuständigen im Jahre 2011 das Projekt „St. Galler Wireless“ ins Leben. Das Prinzip ist einfach: das Netz besteht aus vielen kleinen Sendeanlagen, die an Häuserecken oder an Laternen angebracht sind. Mit diesen Funkzellen wird die Funkstrecke kurz gehalten, so die Strahlung minimiert und eine wesentlich höhere Datenmenge übertragen. Alle Smartphone oder Tablet-Nutzer in der Stadt können nun kostenlos über das städtische WLAN-Netz kommunizieren. Wir finden, dass das auch ein guter Weg für Stuttgart sein könnte, damit wir nicht nur höhere Datenraten auf dem neuesten Stand der Technik zur Verfügung haben, sondern auch die Menschen in unserer Stadt vor übermäßiger Mobilfunkstrahlung schützen.

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