Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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30.03.2015

Innenstadtlogistik- Potentiale heben und umsetzen

Antrag

In unserem Antrag 23/2014 haben wir ein Modellprojekt „Lastenräder in der City-Logistik“ angeregt.
Die Zunahme des Versandhandels und die Belieferung einer wachsenden Zahl an Ladenge-schäften in der Innenstadt führt zu immer mehr – selten abgasfreundlichen – Kleintranspor-tern in der Stadt und gestressten Fahrern in oft verstopften Straßen. Lastenräder in der City-logistik könnten Lärm- und Schadstoffemissionen reduzieren, Staus vermindern und einen Beitrag zur Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt leisten.
In einer Kurzstudie „Innenstadtlogistik Stuttgart“ hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirt-schaft und Organisation jetzt das große Potential einer Anlieferung durch emissionsfreie Las-tenräder auf der sogenannten „letzten Meile“ belegt.
In dem untersuchten Gebiet in der Innenstadt werden hochgerecht knapp 24.000 Pakete in der Woche zugestellt. Die Hälfte der Pakete findet ihren Adressaten auf der Königstraße und 75 Prozent der Pakete finden ihr Ziel in nur 6 Straßen. Mit Hilfe von wenigen Umschlagflä-chen könnten so die meisten Pakete zur Feinverteilung auf den letzten Strecken mit Lasten-rädern zu ihrem Ziel gebracht werden. Hierdurch könnten 75 Prozent der heute verwendeten Transportfahrzeuge entfallen und Schadstoffemissionen vermieden werden.
Um es mit den Worten eines Bürgermeisters auszudrücken: Die Ergebnisse der Studie schreien nach einem Versuch.
Eine Anpassung der Lieferzeiten ist notwendig, da sich die Erfordernisse des Handels und der Konsumenten in der Innenstadt in den letzten Jahren geändert haben. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass gerade in der belasteten Innenstadt emissionsfreie Fahrzeuge Vorfahrt haben müssen.

Daher beantragen wir:

1. In einem Pilotversuch wird im untersuchten Gebiet die Zustellung „auf der letzten Meile“ mit Hilfe von emissionsfreien Lastenrädern organisiert, getestet und ausgewertet.
Öffentliche Flächen für die erforderlichen Umschlagplätze werden dabei nur kosten-pflichtig zur Verfügung gestellt. Erstes Ziel sollte die Nutzung nichtöffentlicher Flächen – wie Tiefgaragen oder Anlieferbereiche von Kaufhäusern in Erdgeschosszonen – sein. Mögliche Umschlagplätze im öffentlichen Raum werden in Zusammenarbeit mit dem zu-ständigen Bezirksbeirat ausgewählt.
2. Lieferzeiten: Die Lieferzeiten in der Innenstadt sollen den aktuellen Bedürfnissen ange-passt werden. Dabei sind folgende Vorgaben zu berücksichtigen:

a) Eine Ausweitung der Lieferzeit am Morgen sollte mit einer Einschränkung der
abendlichen Lieferzeit kompensiert werden. Genauso wie sich die Zeiten der La-denöffnung nach hinten verschoben haben, haben sich auch die Ladenschlusszeiten nach hinten verschoben. Hierdurch sind die Einkaufszonen abends heute deutlich belebter und Zustellungen somit störender oder gar gefährlich.
b) Die eingesetzten Logistikfahrzeuge im Innenstadtbereich sollen Null-Emissions-Fahrzeuge bzw. besonders emissionsarme Fahrzeuge sein. Dies könnte man mit Vorteilen für diese befördern (beispielsweise erweiterte Lieferzeiten nur für Null-Emissions-Fahrzeuge). Es wird dargestellt, wie der Transport, das Abstellen und die Abholung der als Zwischendepots fungierenden Container erfolgen kann.
c) Weil die – nicht zulässigen – Anlieferungen außerhalb der freigegebenen Lieferzeiten immer stärker zunehmen, wird verstärkt auf die Einhaltung der Anlieferzeiten hingewirkt.

Peter Pätzold, Björn Peterhoff, Jochen Stopper

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