Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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Andreas G. Winter

Andreas G. Winter

Leiter Freies Musikzentrum, Fraktionsvorsitzender
Jahrgang 1957

Persönliches

In Stuttgart geboren, immer wieder mal weg und dann wieder in Stuttgart, fühle ich mich dieser Stadt verbunden. Früh prägte mich eine Kulturlandschaft, die damals so kaum sonst in Europa zu finden war. Nach Schule und Studienzeit war ich neben einer regen Konzerttätigkeit über zehn Jahre Lehrbeauftragter an einer kommunalen Musikschule bei Stuttgart.

1989 gründete ich mit Kollegen die Freie Musikschule, die sich zum jetzigen Freien Musikzentrum auf dem Roser-Areal in Stuttgart-Feuerbach entwickelte. Neben dem Musikschulalltag mit Schülerinnen und Schülern von 4 bis 80 Jahren und vom Anfänger bis zur Vorbereitung auf die Musikhochschule bietet das FMZ herausragende Konzerte mit Stars des klassischen Konzertlebens. Daneben bietet das „Podium junger Künstler“ Auftrittsmöglichkeiten für Meisterstudenten der Musikhochschulen in Baden-Württemberg. Durch das im FMZ beheimatete Bürgerhaus Feuerbach liegt der besondere Reiz meiner Arbeit im Wirken zwischen dem Fenster zur Welt durch die Zusammenarbeit mit Künstlern und dem auf den Stadtteil bezogenen bürgerschaftlichen Engagement sowie zwischen Weltelite und Breitenförderung der Jugend.

Beruflich hatte ich, auch durch meine Arbeit im Deutschen Tonkünstlerverband, immer wieder mit Politik zu tun. Als ich dann 2004 gefragt wurde, ob ich nicht auch Verantwortung übernehmen wollte, sagte ich JA. Nach drei Jahren Ersatzspielbank rückte ich Ende 2007 nach. Auf den folgenden Seiten finden Sie einige Gedanken zu meiner politischen Arbeit. Wer mich näher kennen lernen möchte, dem biete ich gerne das Gespräch.

Politisches

Allgemein

Stuttgart ist das urbane und lebendige Zentrum einer starken Region. International bekannt durch eine starke Wirtschaft und beliebt wegen einem für Stuttgart typischem Lebensgefühl, verwurzelt in einer schwäbisch-weltoffenen Tradition, einer herausragenden Kulturlandschaft, einem breiten Freizeitangebot, geprägt von viel Grün, politisch wie in der Landschaft und auch durch eigenständige und liebenswerte Stadtbezirke. Stuttgart ist attraktiv für Menschen, die in Stuttgart leben, arbeiten, einkaufen, feiern oder auch zu uns ziehen wollen. Es ist eine wunderbare Aufgabe, in Stuttgart und für diese Stadt Politik zu gestalten.

Meine Ratspolitik ist geprägt von einem breiten Feld von Aufgabenstellungen und dies macht die Arbeit im Gemeinderat so spannend.

Meine Gremien

Ältestenrat
Aufsichtsrat der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG
Aufsichtsrat Stuttgart-Marketing GmbH
Ausschuss für Kultur und Medien
Ausschuss für Umwelt und Technik
Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen
Auswahlkommission “Ehrenplakette”
Beirat des Linden-Museums
Beirat des Theaterhauses e.V.
Beirat des Vereins Altes Schauspielhaus und Komödie im Marquardt
Beirat für Gleichstellungsfragen
Beirat Stadtmuseum Stuttgart
Beirat Treffpunkt Rotebühlplatz
Bündnis 90/DIE GRÜNEN – Fraktionsgeschäftsstelle
Findungskommission Künstlerhaus Stuttgart
Jury für den Molfenterpreis
Kuratorium zur Verleihung der Otto-Hirsch-Medaille
Personalbeirat
Reform- und Strukturausschuss
Runder Tisch Hotel Silber
Stiftung Theaterhaus Stuttgart
Stiftungsrat der Stiftung Kunstmuseum Stuttgart gGmbH
Theater der Altstadt im Westen – Beirat
Verwaltungsausschuss
Verwaltungsrat der Stuttgarter Philharmoniker
Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater Stuttgart
Verwaltungsrat des Linden-Museums

Aktuelles

DIE MOBILITÄTSKULTUR ÄNDERT SICH RASEND SCHNELL!

Im Netz kursiert seit einiger Zeit unter dem Stichwort „Clean Disruption“ die Gegenüberstellung zweier historischer Fotos: Das erste, im Jahr 1900 aufgenommen, zeigt so etwas wie einen Pferdekutschenstau auf der Fifth Avenue im Zentrum von New York City. Und mittendrin, kaum zu finden, ein Automobil. Dem wird ein 13 Jahre später aufgenommenes Foto gegenübergestellt, wieder die Fifth Avenue. Dieses Mal so etwas wie ein früher Automobilstau. Und versteckt, kaum zu finden, eine letzte Pferdekutsche. Zwischen beiden Fotos liegen gerade einmal 13 Jahre – der Siegeszug des Automobils hat sich mit rasender Geschwindigkeit vollzogen. 13 Jahre von heute aus weitergerechnet, bringt uns ungefähr ins Jahr 2030, das Jahr, für das der Länderrat empfiehlt, keine Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen. „Disruption“ heißt Unterbrechung, und diesmal soll sie „clean“, sauber sein. Während wir mehr oder weniger die Mobilität fortgeführt haben, die auch schon die vorige Generation pflegte, spricht nicht wenig dafür, dass die heute Geborenen eine völlig andere Mobilitätskultur vorfinden werden, wenn sie ihren Führerschein machen.

TRAFFIC DISRUPTION HEISST STAU, UND AUCH DER SOLL BALD PASSÉ SEIN.
Wie rasant der Übergang zu einer anderen Mobilitätskultur möglicherweise vonstatten gehen wird, darauf verweisen bereits zahlreiche heutige Entwicklungen. Zunächst einmal stößt der mit Verbrennungsmotor angetriebene Individualverkehr, der seit etwa 60, 70 Jahren dominiert, zunehmend und in mehrfacher Weise besonders in großen Städten an seine Grenzen. Schuld daran sind:
– Die Menge an Fahrzeugen. Nicht nur in Stuttgart erfahren die Städter*innen den enorm gestiegenen Autoverkehr zunehmend als große Belastung und Einschränkung ihrer Lebensqualität. Jahrzehntelang wurde in die autogerechte Stadt investiert. Verkehrsbeziehungen führen aus allen Richtungen mitten in und mitten durch unsere Stadt. Folge: Die Innenstadt ist extrem belastet.
– Der Verkehrslärm. Nach wie vor die am meisten unterschätzte Umweltgefahr, deren gesundheitliche Risiken immer deutlicher hervortreten.
– Die Emissionen. Die klimaschädlichen Gase und Stäube nehmen zu. Seit elf Jahren ist die Stadt nicht in der Lage, die Grenzwerte für Feinstaub einzuhalten. Und zunehmend zeichnet sich ab, dass die Stickoxide noch größere Probleme bereiten werden. Im Jahr 2014 hatten wir in Stuttgart auf einer Strecke von 100 Kilometern Probleme mit der NO2Belastung – beim Feinstaub „nur“ auf acht Kilometern. Mehrere Klagen sind deswegen gegen die Stadt anhängig. Ein Vergleich wurde bereits geschlossen: Werden die Grenzwerte für Feinstaub auch 2017 nicht eingehalten, muss ab 2018 die Verkehrsmenge am Neckartor um 20 Prozent reduziert sein – Fahrverbote drohen. Und im Blauen Brief der EU aus dem Jahr 2014 werden schmerzhafte sechsstellige Geldstrafen angekündigt für jeden Tag über den zulässigen 35 Tagen, an denen die Grenzwerte überschritten werden dürfen. Vor allem „Dieselgate“ hat offenbart, vor welchen Herausforderungen die Automobilindustrie steht, die Emissionsmenge so sehr zu reduzieren, dass die gesundheitlichen Belastungen nicht mehr gesundheitsgefährdend sind.

INNOVATIVE TECHNOLOGIEN, MEHR TEILEN UND VIELE HILFEN, DAS MOBILSEIN ZU ORGANISIEREN
Auf der anderen Seite treiben technologische Innovationen den Wandel. Motiviert durch Energiewende und Klimaschutz ebenso wie durch die Suche nach neuen Geschäftsmodellen kommen vor allem aus dem Silicon Valley starke Impulse. Tesla treibt die Entwicklung der E-Mobilität weltweit an, und das nicht erst mit der Ankündigung seines „Model 3“, das in zwei Jahren für 35.000 Dollar zu haben sein soll – aus dem Stand 400.000 Vorbestellungen! Autobauer aus China, Japan, USA und Frankreich folgen und haben einen deutlichen Vorsprung vor den deutschen Autobauern. In Norwegen fährt bereits heute nahezu jedes vierte Fahrzeug elektrisch. Google pusht das autonome Fahren, vielerorts werden jetzt Testgelände und Pilotstrecken eingerichtet. Und Uber steht für das Sharen von Fahrzeugen und für die Organisation von Verkehrsleistungen durch die digitale Brille. Wissenschaftler*innen berichten schon von dem Phänomen, dass das konkrete Leihfahrzeug, der Reiz eines großen BMW zum Beispiel, an Bedeutung verliert, dafür aber der Möglichkeitsraum, der durch MobilitätsApps erschlossen wird, eine enorme Faszination ausübt: die Möglichkeit, mehr oder weniger aus dem Stand multimodal das für meinen Zweck in der konkreten Situation passende und schnellste Verkehrsmittel wählen zu können. Dass auch in der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt junge Leute immer weniger Wert auf das eigene Fahrzeug legen, das weisen die Zahlen des Statistischen Amtes der Stadt Stuttgart nach: Zwischen 2005 und 2013 sank die Nutzung des Autos von 34 auf 18 Prozent und hat sich somit innerhalb von nur acht Jahren fast halbiert.

HER MIT DER NEUEN E-KLASSE!
Ziemlich offensichtlich werden wir künftig elektrisch fahren, mitunter im autonom fahrenden Fahrzeug, das nicht immer ein Auto sein muss und das uns nur noch in seltenen Fällen selbst gehört. Gut möglich, dass wir um die Jahrhundertmitte deutlich weniger Belastungen aus dem Verkehr in unserer Stadt haben. Ziemlich sicher brauchen wir weniger Parkplätze.
Schade bloß, dass uns diese Aussicht derzeit überhaupt nichts nützt. Jedes dritte Fahrzeug, das Daimler produziert, und jedes fünfte Fahrzeug, das in Deutschland verkauft wird, ist ein SUV. Trotz „Dieselgate“ haben aktuell 45 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge hier einen Dieselmotor. Zugleich steigt ihre PS-Zahl, deswegen auch ihre Emissionen. Und schon wurde der erste Feinstaubalarm dieses Winters ausgerufen. Die Konsequenz daraus?

DIE STADT WIRD SCHON HEUTE TÄTIG, UM DAS RECHT AUF SAUBERE LUFT ZU SICHERN!
Daher werden wir weiterhin viele kleine und große Maßnahmen weiter pflegen und neue auf den Weg bringen müssen. Die Temporeduktionen auf Steigungsstrecken sind wichtig, strengere Tempolimits auf Bundesstraßen (Kappelbergtunnel!) und auf den Autobahnen um Stuttgart würden sowohl zur Lärmminderung als auch zur Verringerung der Luftbelastung einen Beitrag leisten.
Außerdem: Die Parkraumbewirtschaftung weiter schnell in der Innenstadt und in Bad Cannstatt umsetzen. Die Dieselfahrzeuge der Stadt ausmustern und auf Elektroantriebe gehen, möglichst auch bei den Bussen der SSB. Und:

ÖPNV-AUSBAU, E-TAXIS UND –CITY-LOGISTIK
Grundlegend erforderlich ist der Ausbau der öffentlichen Verkehrsangebote. Der ÖPNV in Stuttgart weist die höchsten Steigerungsraten in Deutschland auf. Das ist schon mal was! Mehr über das engagierte Programm der SSB auf Seite 5. Der VVS strebt für die S-Bahnen einen durchgängigen 15-Minuten-Takt an. Geprüft wird, welche Kapazitätserweiterungen möglich sind und wie die Panoramabahn eingebunden werden kann. Weitere Regionalhalte in Feuerbach und Bad Cannstatt werden diskutiert. Den Taxifahrern werden attraktive Angebote für einen Umstieg auf Elektrofahrzeuge gemacht. Mit den City-Logistikern werden Varianten besprochen, wie die Belieferung in der City emissionsfrei erfolgen kann. Es müssen ja nicht gerade Drohnen sein oder kleine Roboter, die sich selbstständig auf den Weg durch die Stadt machen, um ihre Pakete auszuliefern. Ein guter Anfang ist schon mal, die Transporter elektrisch fahren zu lassen. Wie es die Post vormacht, die man für ihren unternehmerischen Mut nur beglückwünschen kann, ihre E-Transporter eben selbst zu produzieren, wenn sich kein Hersteller – auch nicht der große hiesige – für Elektromobile begeistern lässt.

BLAUE PLAKETTE, GRÜNER MODAL-SPLIT UND AUFS RAD SETZEN!
Eine Maßnahme, die große Effekte verspricht, ist die Blaue Plakette, die aber derzeit von Bundesverkehrsminister und Autolobbyist Dobrindt blockiert wird. Wir hoffen mit unserer Landesregierung, dass die Länder dieses Hindernis überwinden können und die Plakette doch kommt. Doch ohne die Autoindustrie wird es nichts werden. Wir hoffen und erwarten, dass sich auch die Stuttgarter Automobilhersteller schnell emissionsfreien Antrieben zuwenden.
Nur eine emissionsfreie und nachhaltige Mobilität hat Zukunft. Leider sind „unsere“ Hersteller hier nicht vorne dabei. Während das Interesse der Menschen wie auch der Medien auf die Entwicklung der E-Mobilität gerichtet ist, steckt Daimler mehrere Milliarden Euro in die Optimierung des Diesels und eine halbe Milliarde Euro in die Entwicklung eines schweren Pickups. Wenn das mal nicht in die Sackgasse führt!
Ohne Verkehrsverlagerung, ohne Änderung des Modal Splits – weniger fossiler Individualverkehr, mehr öffentlicher Verkehr – und ohne Verkehrsvermeidung wird es nicht gehen. Das Jobticket bietet hier einen Anreiz zum Umstieg. Großer Erfolg, dass sowohl Porsche als auch Daimler dieses Ticket ihren Beschäftigten anbieten.
Das Fahrradfahren in der Stadt muss noch attraktiver werden. Schön, dass wir jetzt mit der Tübinger Straße die zweite Fahrradstraße haben, aber: In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Radfahrer*innen verdoppelt! Und fast jede*r Zweite davon nutzt das Rad für die Fahrt zur Arbeit! Das Pedelec beflügelt diese Entwicklung noch. Alltagsradler brauchen andere Möglichkeiten als Freizeitradler. Kopenhagen zeigt mit dem Netz an Radschnellwegen, was möglich ist.

ALS ULTIMA RATIO: FAHRVERBOT
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob sich Fahrverbote vermeiden lassen. Nur wenn sich die motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen verantwortungsvoll verhalten und vor allem an Tagen mit drohendem Feinstaubalarm den Pkw stehen lassen, lassen sich die Grenzwerte einhalten. Nur dann kommen wir um verkehrsbeschränkende Maßnahmen ab 2018 herum. Es braucht viele Schritte und gute Ideen, viele gute Vorschläge. Hier sind auch Sie gefragt, teilen Sie uns Ihre mit!

HANDELN WIR VERANTWORTUNGSVOLL!

Andreas G. Winter Stadtblatt 03 | 2016

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Gut. Zusammen. Leben.

Der erste Tagesordnungspunkt zu Beginn des neuen Jahrs in einer eigens anberaumten gemeinsamen Sitzung zweier Ausschüsse war: die sechste Tranche der Flüchtlingsunterkünfte. Es war spürbar, dass die Vorfälle an Silvester in Köln und auch in Stuttgart und die Reaktionen darauf die Stimmung sorgenvoller gemacht haben. Wie können wir diesen Spagat schaffen: einerseits klar und unmissverständlich zeigen, dass wir uns als freie Gesellschaft diese Vorfälle und Übergriffe nicht gefallen lassen, und uns andererseits deutlich verwehren gegen jene Stimmen, die meinen, sie könnten jetzt politisch davon profitieren? Jene, die nun unverhohlen Menschen, die in großer Not aus Krisenländern zu uns kommen, pauschal diffamieren! Vor diesem Hintergrund ist es notwendiger denn je, dass wir unserer Aufgabe als Kommune nachkommen: die uns zugewiesenen Menschen so gut wie möglich aufzunehmen, sie zu betreuen und ihnen Angebote zur Integration zu machen.

Verantwortung übernehmen: auf das WIR kommt es an!
Als die ersten Flüchtlinge aus Syrien zu uns kamen, haben wir noch in keiner Weise gewusst, wie sich die Zahlen entwickeln werden. 60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Da ist es geboten, die Idee einer solidarischen Verteilung der Verantwortung innerhalb von Europa weiterzuentwickeln und anzumahnen, wie auch den Blick auf die Fluchtursachen zu lenken und bestimmter als bisher unseren Beitrag zu leisten, diese zu bekämpfen. Dabei müssen wir auch die im weltweiten Klimawandel begründeten, längst vorhersehbaren Fluchtursachen mit bedenken. Dies darf aber nicht dazu führen, dass wir in unseren Anstrengungen um die Versorgung der Flüchtlinge vor Ort nachlassen. Dass uns kommunalpolitisch Verantwortlichen diese Aufgabe leichter gemacht werden kann, je besser die zentrale Erfassung der Neuankömmlinge organisiert ist und wenn unsere Unterkünfte vorrangig von Menschen mit einer gesicherten Bleibeperspektive belegt werden, ist richtig. Daher sind wir froh, dass die Landesregierung diese Aufgabe seit Herbst in Heidelberg angeht.

In Kontakt kommen!
Bei all dem tut es gut, immer wieder in direkten Kontakt mit Flüchtlingen, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und mit hauptamtlichen Betreuern zu kommen. Ich war Gast beim Auszugsfest von rund 200 Flüchtlingen aus Syrien, Pakistan und anderen Ländern, die einige Monate gemeinsam in einer Turnhalle gelebt haben. Zwei Tage später ging es in die Systemunterkunft – dort hatten Familien wie auch Alleinstehende endlich eine Türe, die sie zumachen konnten. Die Stimmung war gut bis heiter, aber in Gesprächen wurden die Menschen oft ernst. Sie erzählen: Woher sie kommen, warum sie die Heimat, die Familie, die Freunde verlassen mussten und ob sie Hoffnung auf ein Bleiberecht haben. Ja, sie wollen schnell die deutsche Sprache lernen, wollen arbeiten, uns kennen lernen. Für mich waren das berührende Momente, die ich nicht so schnell vergessen werde. Dann das Gespräch mit den Ehrenamtlichen, den Menschen aus Weilimdorf, die seit Monaten unzählige Stunden helfen. Eine Familie erzählt mir, dass sie eine hochschwangere Frau mit Ihrem Mann über die Feiertage zu sich nach Hause genommen hat. Die Frau bekam vor Kurzem ihr Kind, und die junge Familie wohnt nun die Tage bei den Helfern, bis sie in die Systemunterkunft einziehen kann. Irgendwie war es zum zweiten Mal Weihnachten, und die unaufgeregte Bemerkung der Gastgeber, eine Turnhalle sei ja nun nichts für eine Wöchnerin, machte sie für mich zu Helden des Jahreswechsels.

Die vielen Ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer – sie sind die Helden unserer Zeit.
Diese Selbstverständlichkeit des Handelns und die Stimmung des Willkommens in Stuttgart dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen! Weder von denen, die – wie in Köln geschehen – unsere Werte und Gesetze missachten, noch von denen, die daraus politisch Kapital schlagen wollen.

Andreas G. Winter Stadtblatt 01 / 2016

Stadtteil

Pars pro Toto Feuerbach – ein Spaziergang durch einen spannenden Stadtbezirk Andreas G. Winter (Stadtblattartikel)

Der Stadtbezirk ist, wie die Landeshauptstadt auch, geprägt von Industrie, Landschaft, Weinbau, Handel und Kultur. Auch Feuerbach liegt in einem Kessel, umgeben vom Killesberg, der Hohen Warte mit riesigem Waldgebiet, dem Lemberg mit Hängen und Steinbruch und dem Burgholzhof mit den Weinbergen. Während in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts damals 2.700 Einwohner – Bauern-, Winzer- und Steinbrecherfamilien – im Ort wohnten, führte der Bau der Eisenbahnlinien zu einem raschen Wandel. Heute prägen Industrie- und Gewerbebauten von Firmen wie Bosch, Behr, Haushahn, Leitz, Coperion oder die Thieme-Verlagsgruppe einen Teil des Feuerbacher Gesichts. Daneben finden sich dichte Wohngebiete im Tal sowie aufgelockerte Hang- und Halbhöhenlagen – in Feuerbach wollen immer mehr Menschen leben.
In den vergangenen Jahren sind Industrieflächen aufgegeben und revitalisiert worden oder werden aufwändig saniert. Öffentliche Gebäude, vor allem Schulen, sind auch hier in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt worden. Heute wissen wir um unsere Verantwortung für den Bestand wie für die ebenso zu erhaltenden Freiflächen und nutzen die frei gewordenen Innenräume, um hier durch Nachverdichtung Wohnraum zu schaffen. Umfangreiche Sanierungsprogramme – die Schulen haben den Anfang gemacht – werden auch bei den Bädern oder Kulturgebäuden durchgeführt. Hiervon profitiert der Stadtbezirk, das denkmalgeschützte Feuerbacher Hallenbad wird saniert.
Im Schulbereich muss aber auch neu gebaut werden. Die Anforderungen an die Schullandschaft in Stuttgart haben sich verändert, das Bild des Lebensraums Schule ist schon längst nicht mehr das des 20. Jahrhunderts. Feuerbach bildet einen der größten Schulbezirke der Stadt und hat mit fünf Grundschulen, einer Förderschule, einer Werkrealschule, einer Realschule, zwei Gymnasien und mehreren großen beruflichen Schulen fast 8.000 Schülerinnen und Schüler. Viele von ihnen pendeln täglich in den Stadtbezirk ein, ebenso wie die meisten der fast 40.000 Erwerbstätigen, die in Feuerbach arbeiten. Ihnen gegenüber steht eine Einwohnerzahl von knapp 30.000 Menschen, die im Stadtbezirk wohnen. Tendenz steigend.
Das Stadtbild hat sich besonders im Bereich der unteren Stuttgarter Straße durch die 1994 erfolgte Aufgabe der Lederfabrik Roser gewandelt und hat gewonnen. Die grüne Fraktion der 90er Jahre hat sich bereits damals für einen Mix aus Handel, Büros, Wohnen, Kultur und Freiflächen auf dem Areal eingesetzt, das heute als Musterbeispiel für eine Revitalisierung einer Industriebrache in einem urbanen Raum gilt. Zwei denkmalgeschützte Häuser, die dem Gebiet auch heute ein Wahrzeichen sind, wurden erhalten. Östlich werden aktuell im letzten Bauabschnitt weitere Wohnungen gebaut.
Gegenüber, auf dem Schoch-Areal, werden derzeit 50.000 Kubikmeter belastetes Erdreich abgetragen und entsorgt. Eines der größten Sanierungsprojekte der Landeshauptstadt ist hier mit einem Volumen von 20 Millionen EURO angelaufen. Hier werden weit über 100 Wohneinheiten, auch öffentlich geförderte, entstehen in einer Mischung aus Büroflächen, Gewerbe und Handel. Das Schoch-Areal kann in seiner zentralen städtebaulichen Schlüsselfunktion am Bahnhof für Stuttgart ein Pilotprojekt werden, auch mit dem gerade beschlossenen Konzeptverfahren. Das Areal ist bestens an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Entsprechend müssen unserer Meinung nach Carsharing-Angebote dort bereits mitgeplant werden und die Überlegung dahingehend gerichtet sein, wie wir mit Stellplätzen dort umgehen. Dass darüber hinaus der neu entstehende Platz am Bahnhof Feuerbach planerisch eine hohe Priorität genießt, ist selbstverständlich.
Den Berg hinauf Richtung Prag kommen zwei weitere neue Wohnbaugebiete. An der Maybachstraße bauen Siedlungswerk und SWSG ca. 200 neue Wohneinheiten und hinter dem Pragsattel weisen die Pläne für das „Wohnen im Theaterviertel“ ca. 280 Wohneinheiten auf. Zwischen dem Theaterhaus und den Wohnungen könnte der Erweiterungsbau für das Theaterhaus, das gerade jetzt sein 30-jähriges Jubiläum feiern konnte, entstehen und wäre gleichzeitig der Lärmschutz für das Wohnen. Das Theaterhaus hat in den letzten Jahren mit der Sparte Tanz und mit Erik Gauthier nochmals deutlich hinzugewonnen. In wenigen Wochen geht von hier aus das “Colours Festival“ in die Stadt. Vorne an der Straße liegt jetzt das Friedrichsbauvarieté und weiter am Pragsattel bauen Daimler und Bülow am topographisch höchsten Ort des Einfalltors Nord neue Gebäude für Büros und den 75 Meter hohen Wohnturm am Pragsattel.
Wieder abwärts, aber rechts der Bahnlinie, sehen wir hinter dem schönen Gebäude von Leitz das große Industriegebiet, das sich an der Heilbronner Straße zur Automeile Stuttgarts mausert und den Blick auf die Weinberge freigibt. Am unteren Ende hat sich ein sehr gemischtes Gebiet mit viel Handel, Gastronomie und einer Moschee entwickelt, das liebevoll auch “Kleinistanbul“ genannt wird. Ich selbst bin immer wieder gerne dort, besonders jetzt, da beim ImWerk8 eine spannende kulturelle Entwicklung ihren Anfang nimmt. Wir haben uns vor einem Jahr gegen viel Widerstand für eine Ausnahmegenehmigung für diesen kulturellen Freiraum eingesetzt. Gehen wir weiter durch die Unterführung am Bahnhof, wo Stuttgart 21 in Feuerbach sichtbar wird und der Bahnhof – ohne Fahrstuhl, eigentlich ein Treppenwitz – 2017 endlich barrierefrei werden kann. Rechts liegen Firmengelände von Bosch und es geht weiter zum nächsten Entwicklungsareal, dem Fahriongelände, das darauf wartet, wachgeküsst zu werden.
Durch die Grünschneise aufwärts liegt linkerhand die Flüchtlingsunterkunft am Schelmenäcker. Wir wollen auch hier alles dafür tun, dass sich die Menschen, die sich in großer Not und aus menschlichem Elend auf den Weg zu uns gemacht haben, in einer guten Nachbarschaft mit den „Alteingesessenen“ hier leben können.
Schauen wir dann noch zur Hohen Warte hinauf, ganz die Stuttgarter Straße in der Verlängerung nach oben, so können wir ahnen, wie die urbane Energiewende ganz über den Wipfeln aussehen kann. Bei allem Widerstand und eben bei allen Argumenten dafür und dagegen: Die Möglichkeit dieser Windkraftanlagen und der damit verbundenen Chance, 5.000 Haushalte hier mit Strom zu versorgen, sollte in einem ordentlichen Verfahren geprüft werden.
Geneigte Leserin, geneigter Leser, die Sie bis hierhin durchgehalten haben, mit mir auf einen Spaziergang durch den Stadtbezirk zu gehen, wie dies unsere Fraktion am 30. April getan hat: Sie merken, Feuerbach ist ein spannender Bezirk, der Pars pro Toto alle wesentlichen Politikfelder der Landeshauptstadt zu beackern hat. Ein liebenswerter Stadtbezirk, der sich mächtig entwickelt hat, in den nächsten Jahren noch weiter zulegen wird und durch die Verlegung des Durchgangsverkehrs und der B295 nochmals attraktiver wird. In diesem Sinne – es gibt viele Gründe, das Leben im Bezirk zu entdecken.

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