Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Spurenstoffen auf der Spur

Werk-STADT-Gespräch: Spurenstoffen auf der Spur

Eine Großstadt hinterlässt vielfältige Spuren. Wo viele Menschen leben, entsteht natürlicherweise auch viel Abwasser. Der Umgang mit den Stoffen, die seit Jahrhunderten im Abwasser ankommen, wird heutzutage von den KlärwerksspezialistInnen beherrscht. In unseren Gewässern lassen sich jedoch zunehmend häufiger „neue“ Stoffe nachweisen, deren langfristige Wirkung auf uns Menschen, die Fauna und Flora zunehmend Sorge bereitet.




Die Arzneistoffvielfalt stellt die Klärwerke vor neue Herausforderungen. Viele der für den Menschen hilfreichen Stoffe gelangen über die menschliche Ausscheidung, aber auch über unsachgerechte Entsorgung von Medikamentenresten über die Toilette in einem zu hohen Maß in unsere Gewässer. „Die Konsequenzen einer geringen, jedoch permanenten Exposition gegenüber Arzneistoffen sind humantoxikologisch und ökotoxikologisch … weitgehend unerforscht“, konstatiert das Umweltbundesamt. Besonders kritisch sind Antibiotika, Hormone und Schmerzmittel, aber auch Röntgenkontrastmittel.
Insbesondere in der Fauna scheinen diese Stoffe unerwünschte Wirkungen hervorzurufen. Von hormonellen Störungen bei Fischen ist die Rede. Auch in unserem Trinkwasser können diese Spurenstoffe durch optimierte Analysentechniken zunehmend nachgewiesen werden.
Die Wasserversorgungsunternehmen betreiben erheblichen betrieblichen und finanziellen Aufwand, um Konsumenten das Trinkwasser in Lebensmittelqualität zur Verfügung zu stellen. Sofern es Grenzwerte dafür gibt, sind diese alle eingehalten oder in der Regel weit unterschritten. Für immer mehr nachweisbare Spurenstoffe gibt es jedoch noch keine Grenzwerte, da die langfristigen Wirkungen und Wechselwirkungen auf uns Menschen, die Fauna und Flora noch gar nicht bekannt sind.
Zu viel Schadstoffe im Abwasser kommen die Allgemeinheit zudem sehr teuer. Denn je stärker das Abwasser belastet ist, umso höher fällt die Abwasserabgabe aus. Wird das Abwasser sauberer, sinkt die Abgabe. Erfahrungen aus anderen Klärwerken zeigen, wie mit Investitionen in weitere Filtrationsstufen mittel- bis langfristig Kosten über die reduzierte Abwasserabgabe sogar eingespart werden können.
Aus Gründen des Gesundheitsschutzes, der Effektivität und Kostenminimierung sind daher verschiedene Vorsorgestrategien zu ergreifen. Die einfachste und wirkungsvollste ist sicher die Entsorgung der Medikamentenreste nicht über das Abwasser, sondern über den Hausmüll. Auch der Arzneimitteleintrag über Tiermasten sollte drastisch reduziert werden.
In unserem Werk-STADT-Gespräch haben namhafte Experten die Auswirkungen der Spurenstoffe auf Flora, Fauna und uns Menschen thematisiert und Maßnahmen diskutiert, wie Wasser auch in Zukunft gesundheitlich unbedenklich bleiben kann.


Die Referenten


Prof. Dr.-Ing. Frieder Haakh
Technischer Geschäftsführer beim Zweckverband Landeswasserversorgung;
Zudem unterrichtet er seit dem Jahr 2000 an der Universität Stgt am Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung und wurde in 2010 zum Honorarprofessor ernannt. Seit 2004 ist er Präsident der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz (VDG)

Prof. Helmut G. Hohnecker
Studiendekan Master- Studiengang Umweltschutz
Leiter des Instituts für Gewässerschutz Hochschule für Technik Stuttgart. Sein Spezialgebiet ist die Siedlungswasserwirtschaft (Abwasserreinigung). Aber auch Fragestellungen wie Seenschutz – Gewässerschutz versus Energiepflanzenanbau hat er mit seinen StudentInnen an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen Geislingen, an der er auch unterrichtet, untersucht.

Dr. med. Ewald Hommel
Ist Facharzt für Innere Medizin und Inhaber einer Internistischen Praxis in Stuttgart. Er ist Kooperationspartner des Darmzentrums des Klinikums Stuttgart und stellvertretender Vorsitzender der Ärzteschaft Stuttgart.

Dr. Günther Hanke
Präsident der Landesapothekenkammer Baden-Württemberg
Betreibt die Firma Alpha-Pharma-Service GmbH. Die Firma erstellt und prüft unter anderem Zulassungsdossiers, erstellt Gutachten und klassifiziert Medizinprodukte.
Seit 2010 hat Herr Dr. Hanke einen Lehrauftrag an der Universität Stuttgart-Hohenheim zu „Lebensmittelrecht und Ethik“

Dr. Werner H. Philipp
Fachtierarzt für Mikrobiologie
Dipl.- Ing. agr. (FH) Universität Hohenheim, Institut für Umwelt- und Tierhygiene. Neben der Tier- und Seuchenhygiene sind seine weiteren Spezialgebiete die Emissionen aus Biogasanlagen und ihre gesundheitliche Bewertung.


Moderation:


Dipl. Ing. Gabriele Munk
Stadträtin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Architektin und Stadtplanerin

Vorträge

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