Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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Gabi Nuber-Schöllhammer

Gabriele Nuber-Schöllhammer

Sozialpädagogin in Fachbereich Adoptions- und Pflegekinderwesen
Jahrgang 1962

Persönliches

Geboren wurde ich 1962 in Schleswig-Holstein und bin im Randgebiet von Hamburg aufgewachsen. Nach der Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten bin ich von Hamburg nach Heidelberg umgezogen. Dort habe ich ca. acht Jahre gelebt und u.a. im Rektorat der Universität Heidelberg gearbeitet, ein besonders interessanter und vielseitiger Arbeitsplatz, der mir viel Freude gemacht hat. Aus privaten Gründen zog ich nach Luxemburg. Ich habe dort eine weitere Ausbildung zur Geburtsvorbereiterin und Stillberaterin absolviert und dann in Luxemburg mit einem interdisziplinär besetzten Frauenteam (Hebammen, Stillberaterinnen, Jogalehrerinnen und andere Berufsgruppen) eine Beratungsstelle für Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft mit auf- und ausgebaut.
Während meiner Zeit in Luxemburg sind meine drei, zwischenzeitlich erwachsenen Kinder, geboren.
Vor rund 15 Jahren sind wir als Familie in den Stuttgarter Norden gezogen. Anfänglich fiel mir das Einleben in Stuttgart nicht ganz leicht. Meine Kinder bekamen keinen Kindergartenplatz, obwohl sie in Luxemburg teilweise schon schulpflichtig gewesen wären. Denn die Kinder dort gehen in der Regel mit zwei Jahren in den Kindergarten und Schulpflicht ist mit vier Jahren. Außerdem fehlte mir die französische Lebensart aus Luxemburg sehr. Stuttgart wirkte trotz seiner begrünten Hänge auf mich verschlossen und schwer zugänglich. Mit viel Entdeckerlust und Elan habe ich deshalb versucht mir die Stadt, in der ich dauerhaft leben wollte, zu erobern. Leicht haben es mir die schönen Parks und die tollen Museen, Theater und Kunstgebäude gemacht und mit großer Freude habe ich im Laufe der Jahre die Entwicklung der Stadt zu mehr Urbanität und Offenheit erlebt. Mit der Zeit stellten immer mehr Cafés, Restaurants und Wirtschaften ihre Tische und Stühle nach draußen. Das Sommerleben der Stadt findet jetzt draußen statt. Insgesamt sind die Innenstadtquartiere meines Erachtens nach deutlich lebendiger und fröhlicher geworden. Jetzt ist es die Stadt, in der ich mit meiner Familie zu Hause bin.
Kurz nachdem wir nach Stuttgart gezogen waren, entschied ich mich mit 38 Jahren mein Abitur auf dem Abendgymnasium Stuttgart nachzuholen. Am Abend und am Wochenende hütete mein Mann die Kinder und ich nutzte vier Jahre lang dieses wunderbare Angebot des zweiten Bildungswegs. Das Abendgymnasium ist eine Schule die Vielfalt und Integration jeden Tag lebt.
Im Anschluss habe ich Germanistik und Politikwissenschaft im Grundstudium und Sozialpädagogik zum Diplom studiert. Heute arbeite ich als Sozialpädagogin in Fachbereich Adoptions- und Pflegekinderwesen. Meine Arbeit erfüllt mich mit viel Freunde.

Politisches

Die Kinder- und Jugendpolitik der Stadt Stuttgart ist über ihre Grenzen hinaus positiv bekannt. Hier ist es wichtig, dass wir darauf achten, dass Standard und Qualität für Kinder- und Jugendhilfemaßnahmen erhalten bleiben und, dass Projekte und Ideen von kommunalen und freien Trägern gefördert und unterstützt werden.
Besonders beim Bau der dringend benötigten Kindertagesstätten müssen die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Eltern im Mittelpunkt stehen. Hier ist es unabdingbar darauf zu achten, dass die fachliche und bauliche Qualität trotz des hohen Bedarfs weiterhin erhalten bleibt. Unsere Kinder müssen von gut ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern pädagogisch gut versorgt werden und das Angebot für den Mittagstisch der Kita-Kinder muss gesund und vielfältig sein.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Umsetzung der Inklusion in der Stadt: Hier gibt es viel zu tun. Obwohl die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft ein gutes Stück vorangekommen ist, gibt es immer noch viele Defizite. Obwohl heute mehr Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam in den Kindergarten und in die Schule gehen, fehlt es immer noch an den nötigen Hilfsmitteln, Umbauten und an gut ausgebildetem Personal für die besonderen Bedürfnisse der Kinder. Super ist, dass wir mit Ursula Marx nun eine Behindertenbeauftragte innerhalb der Stadtverwaltung haben, die sich seit vielen Jahren mit der Thematik Inklusion beschäftigt und für unsere Stadt vorantreibt.

Ebenfalls am Herzen liegen mir die sozialpolitischen Themen wie beispielsweise die Unterstützung junger Mütter und Eltern, das Leben und der Umgang mit Flüchtlingen aus aller Welt, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder der große Bereich der Jugendhilfe.
Da die Menschen unmittelbar betroffen sind, gebührt diesen Fragestellungen meines Erachtens eine besondere politische Beachtung.

Besonders wichtig ist für unsere Stadt auch das Thema Luftreinhaltung. Jedes Jahr aufs Neue liegt Stuttgart was die Feinstaubbelastung anbelangt deutschlandweit vorne. Dem müssen wir Einhalt gebieten und die unterschiedlichsten Möglichkeiten ausprobieren, um die Luftqualität in der Stadt zu verbessern. Zwischenzeitlich haben wir gemeinsam mit unserem Grünen Oberbürgermeister wichtige Schritte eingeleitet, um den Feinstaub besser in den Griff zu bekommen. Mit der Tempo-40-Regelung auf Steigungsstrecken, dem Ausbau des ÖPNV und den Fahrradwegen wollen wir Stuttgart nicht nur vom Feinstaub, sondern auch vom Stau befreien.
Als Stadtgesellschaft sollten wir alles versuchen, um Verkehrs-, Luft- und Lärmbelastungen zu verringern.
Ein großer Vorteil für das Leben in Stuttgart – und auch für die Luftreinhaltung – ist das viele Grün, das die Stadt kennzeichnet. Weinberge, Parks und das grüne „U“ bilden den Kontrast und die Ergänzung zur dicht besiedelten Innenstadt. Sie prägen das besondere Stadtbild von Stuttgart. Diese Flächen müssen für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger erhalten bleiben.
Vergessen möchte ich nicht die Wichtigkeit des interkulturellen Dialogs, den ich in einer Stadt, in der Menschen mit so vielen unterschiedlichen Nationen leben, besonders wichtig finde.

Mein politisches Fazit:
Familienfreundliches und soziales Miteinander in einer lebenswerten und grünen Stadt ist ein erreichbares Ziel.

Stadtteil

Der Stuttgarter Norden, in dem ich seit vielen Jahren mit meiner Familie lebe, zeichnet sich durch seine unterschiedlichen Lebensräume aus.
Einerseits haben wir wunderschöne Parkanlagen mit dem Killesbergpark und das „grüne U“, das bis nach Cannstatt reicht, anderseits sind wir sehr betroffen von dem Großbau-Vorhaben „Stuttgart 21“. So verläuft einer der Tunnel direkt unter dem Killesberg. Dabei kämpfen besonders die Bewohner der Gegend rund um den Nordbahnhof durch die Großbaustelle mit Lärm, Schmutz und Staub. Zusätzlich gibt es eine weitere Großbaustelle des A1-Geländes rund um die Stadtbibliothek grenznah am Stadtteil. Wie sich der Verkehr im Oktober nach Fertigstellung des Einkaufszentrums „Milaneo“ entwickelt, kann zurzeit nur angenommen werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wird er deutlich zunehmen. Die Heilbronner Straße, die schon jetzt im Stadtteil häufig als schwer überwindbare Trennungslinie wahrgenommen wird, wird dann mit noch mehr Verkehr, Stau und Dreck belastet sein.
Ich sehe eine meiner Aufgaben darin, darauf zu achten und zu drängen, dass die gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf Lärmschutz und Einhaltung der Luftemissionen streng eingehalten werden. Ich wünsche mir hier einen engen Kontakt zu den Betroffenen und zu meinen Kollegen aus dem Gemeinderat, die sich mit den städtebaulichen Konzepten befassen. Denn im Stadtteil entstehen neben „Stuttgart 21“ und „Milaneo“ auch neue Wohnquartiere gegenüber der Killesberghöhe bei der sogenannten „roten Wand“, im Nordbahnhofgebiet (Staigerareal) sowie grenznah die Gegend rund um das Theaterhaus. Hier bietet sich die Chance für eine gute Durchmischung der Bevölkerungsstruktur. Ideen wie Baugemeinschaften, soziales und ökologisches Bauen lassen sich hier noch verwirklichen.
Parallel dazu werden im Stadtteil weitere Kinderbetreuungsplätze geschaffen. Die Planungen dafür sind im vollen Gang. Das ist nötig und wichtig. Denn mit den neuen Bewohnern wird der Bedarf weiter steigen.
Schon seit meiner Zeit im Bezirksbeirat ist es mir ein Anliegen, dass den Bürgerinnen und Bürgern des Stuttgarter Nordens ein eigenes Bürgerhaus zur Verfügung steht. Dies dient der Förderung des bürgerlichen und sozialen Lebens und somit der Stadt(teil)gemeinschaft.
Gut angekommen sind im Stuttgarter Norden die Flüchtlinge aus aller Welt. Dies zeichnet den weltoffenen und bunt gemischten Norden aus. Die vorausgegangenen Sorgen und Ängste einiger Bürger konnten ausgeräumt werden. Das ist sehr schön. Hier ist es wichtig, weiterhin ein gutes Miteinander zu leben.
Der Stadtteil hat ein hohes Potential. Er steckt mitten in einer Neuentwicklung. Ich bin gespannt auf das weitere Voranschreiten.

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